Harald Glööckler kehrt Berlin den Rücken – zumindest vorerst. Nach vier Jahren in der Hauptstadt lebt der 61-jährige Designer wieder in der Pfalz, im kleinen Weinort Kirchheim. Dort tauscht er Großstadttrubel gegen Gartenidylle. Wer ihn in seinem "Château Pompöös" besucht, merkt schnell: Es geht nicht nur um einen Wohnortwechsel, sondern auch um bewussten Abstand. "Es wurde mir einfach zu viel", sagt Glööckler. Berlin möge er weiterhin, aber momentan wolle er raus aus dem ständigen Rummel.
Der gebürtige Maulbronner ist vor allem als exzentrischer Künstler und Unternehmer bekannt: geschniegelt, geschminkt, mit schwarzem Bart und auffälligen Outfits. Große Bekanntheit erlangte er einst durch das Teleshopping, später baute er seine Marke "Pompöös" immer weiter aus – von Mode und Schmuck bis hin zu Wohnaccessoires und außergewöhnlichen Alltagsprodukten.
Ein altes Haus als neuer Lebensmittelpunkt
Nun also wieder Kirchheim, jenes Dorf mit rund 2.000 Einwohnern, in das Glööckler bereits 2015 gezogen war. Seine Freunde in Berlin hätten Verständnis für den Schritt, erzählt er. Die Hauptstadt empfinde er inzwischen als anstrengend, schmutzig und kräftezehrend.
Trotzdem ist sein Leben weiterhin alles andere als ruhig: Termine in Basel, Wien oder Frankreich zeigen, dass Glööckler beruflich weiter viel unterwegs bleibt. Doch wenn er zurückkommt, wartet nun wieder ein Ort auf ihn, der sich nach Zuhause anfühlt.
Die Villa, die er nun erneut bewohnt, stammt aus dem Jahr 1927. Sie bietet rund 300 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf elf Zimmer und drei Etagen. Dazu kommt ein etwa 1.800 Quadratmeter großer Garten. Nach seiner Scheidung im Jahr 2023 wollte Glööckler das Anwesen eigentlich verkaufen. Nach 35 Jahren Beziehung sei für ihn damals der Moment gekommen gewesen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das Haus wurde geräumt, Glööckler zog nach Berlin.

Ikarus brachte die Wende
Vor einiger Zeit kehrte er dann für kurze Zeit zurück – mit dabei sein zehn Monate alter Papillon Ikarus. Der kleine Hund erkundete das Grundstück und wollte, wie Glööckler erzählt, am liebsten gar nicht mehr weg. Aus dem geplanten Verkauf wurde plötzlich ein Neuanfang.
Die Villa wurde neu eingerichtet, leichter und heller gestaltet. Glööckler beschreibt den Stil heute als "weniger Versailles, mehr Südfrankreich". Im Erdgeschoss befindet sich eine Galerie, während die oberen Etagen privat genutzt werden.
Vor allem aber ist da der Garten. Genau diese Ruhe habe ihm in Berlin gefehlt. Dort sei seine Bekanntheit zuletzt noch einmal stark gewachsen. In Kirchheim könne er einfach aufstehen, Kaffee trinken, den Hund in den Garten lassen und in aller Ruhe in den Tag starten.
Manchmal setze er sich unter einen Baum und warte augenzwinkernd auf Erleuchtung, sagt er. Dann fühle er sich fast wie Buddha. Hinter dem Scherz steckt auch Ernst: Er habe sich selbst wieder näherkommen müssen. Das alte Haus mit dem großen Garten scheint ihm dabei gutzutun. Ikarus kann frei herumlaufen, und sein Herrchen darf einfach einmal sitzen bleiben.
Rückzug ohne Stillstand
Ein kompletter Abschied aus dem öffentlichen Leben ist das jedoch nicht. Glööckler arbeitet weiter an zahlreichen Projekten. Eine Modenschau in Basel steht an, ebenso eine Auktion im Kunsthaus Bad Vilbel. Hinzu kommen eine neue Taschenkollektion, T-Shirts, eine Kaftan-Linie sowie neue Podcast- und Streamingformate. Im Oktober ist in Hamburg eine Vernissage geplant, außerdem will er bei der Frankfurter Buchmesse ein neues Buch vorstellen.
Auch Berlin bleibt Teil seines Lebens. Dort läuft weiterhin seine Show "Jede Frau ist eine Prinzessin". Die Hauptstadt sei also nicht verschwunden, aber sie sei nicht länger der Mittelpunkt. Die Jahre in der Großstadt hätten etwas in ihm verändert, sagt Glööckler. Er habe vermisst, einfach mal aus dem Haus gehen zu können, ohne sich vorher geschniegelt in Szene setzen zu müssen. In Kirchheim sei genau das möglich. Hier könne Harald nach draußen treten, ohne sofort zu Glööckler werden zu müssen.
Zwischen Kunst, Ideen und Ruhe
So lebt der Designer nun wieder in der Pfalz – zwischen Erinnerungen, neuen Geschäftsideen und dem Wunsch nach mehr Gelassenheit. Den Sommer wolle er erst einmal dort verbringen, sagt er.
Für ihn ist die Villa weit mehr als nur eine Immobilie, die einmal zum Verkauf stand. Sie ist ein Gegenpol zur Stadt, Rückzugsort und Arbeitsplatz zugleich. Hier kann er Kunst präsentieren, Projekte planen und neue Kollektionen entwickeln. Auch kreative Ideen entstehen an diesem Ort – so wie vor einigen Jahren sein Entwurf für ein Kirchenfenster der Jakobuskirche in Rümmingen.
Vielleicht zeigt sich darin eine ungewohnte Seite des sonst so schillernden Designers: Hinter Glanz, Theatralik und unermüdlichem Geschäftssinn steht derzeit ein Mensch, der vor allem Ruhe sucht. Während Berlin weiter pulsiert, bellt irgendwo in Kirchheim ein kleiner Papillon. Ikarus ist angekommen – und Harald Glööckler offenbar auch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber