Wirtschaft

Anthropic wirft China-Rivalen dreiste Schummelei vor

Chinas Billig-KI ließ Anleger an US-Riesen zweifeln – jetzt erhebt Anthropic einen heiklen Umleitungs-Vorwurf.

11.09.2026, 02:37 Uhr

Anthropic verschärft Vorwürfe gegen chinesische KI-Firmen

Das US-Unternehmen Anthropic wirft chinesischen Konkurrenten vor, Anfragen ihrer Nutzer heimlich an seine Systeme weitergeleitet zu haben, statt sie mit eigener KI zu beantworten. In einem Bericht über mutmaßlich missbräuchliche Nutzung schreibt die Firma, dass so teils auch sensible Informationen staatlicher Stellen aus China und Russland in den Systemen von Anthropic gelandet seien.

Demnach wurden unter anderem Aufnahmen von Überwachungskameras aus dem Umfeld chinesischer Militärstandorte hochgeladen. Ziel sei gewesen, das Verhalten einer bestimmten Person in den Videos auszuwerten. Der Nutzer habe offenbar angenommen, dass die Anfrage von Kimi, der KI des chinesischen Unternehmens Moonshot, bearbeitet werde. Tatsächlich sei dafür jedoch Claude von Anthropic eingesetzt worden.

Nach Darstellung von Anthropic ließ Kimi innerhalb von nur zehn Tagen fast 300.000 Kundenanfragen durch Claude beantworten. Dafür sei ein Netzwerk aus 5.380 gefälschten Konten eingesetzt worden.

Chinas Außenministerium weist Vorwürfe indirekt zurück

Auf den Bericht angesprochen, äußerte sich Chinas Außenministerium zurückhaltend. Sprecherin Mao Ning sagte in Peking, ihr seien die konkreten Umstände nicht bekannt. Zugleich betonte sie, China unterstütze eine positive Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und lehne es ab, Tatsachen zu verdrehen, um das Land in Misskredit zu bringen.

Auch DeepSeek im Fokus

Laut Anthropic soll auch DeepSeek mit ähnlichen Methoden gearbeitet haben. Dadurch seien unter anderem Anfragen mit Daten einer Behörde aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums an Anthropic weitergeleitet worden. In den Informationen hätten sich sogar noch gültige Zugangsdaten für eine Datenbank der russischen Regierung befunden.

Brisant für Chinas KI-Branche

Die Anschuldigungen könnten das Ansehen chinesischer KI-Entwickler belasten. Seit Anfang des vergangenen Jahres hatten zunächst günstige Modelle von DeepSeek und später auch Moonshot wiederholt starke Reaktionen an den Börsen ausgelöst. Zeitweise kamen bei Anlegern Zweifel an den Perspektiven US-amerikanischer KI-Firmen wie Anthropic oder dem ChatGPT-Entwickler OpenAI auf, weil der Eindruck entstand, leistungsfähige KI lasse sich mit deutlich geringerem Aufwand trainieren.

Die US-Seite wirft den chinesischen Unternehmen zudem vor, amerikanische Software wie Claude und ChatGPT in großem Stil genutzt zu haben, um eigene Modelle anzulernen. Für diese als „Destillation“ bekannte Methode soll allein Kimi zwischen Mai und Juli rund 23 Millionen Zugriffe auf Anthropics KI vorgenommen haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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