Die italienische Großbank Unicredit hat mit ihrer Übernahmeofferte für die Commerzbank die wichtige Schwelle von 30 Prozent klar überschritten. Nach Angaben des Instituts aus Mailand wurden ihr Aktien im Umfang von 7,58 Prozent des Grundkapitals angedient. Zusammen mit dem bereits gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent ergibt sich damit rechnerisch eine Beteiligung von 34,35 Prozent.
Mit dem freiwilligen Übernahmeangebot vom Mai umgeht Unicredit ein Pflichtangebot, das beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke sonst fällig geworden wäre. Ein solches Pflichtangebot wäre wegen des zuletzt gestiegenen Commerzbank-Kurses deutlich teurer ausgefallen. Statt Bargeld bietet Unicredit für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien.
Auf Basis der jüngsten Schlusskurse liegt dieses Angebot allerdings unter dem Preis, der derzeit an der Börse für Commerzbank-Papiere gezahlt wird. Zudem verfügt Unicredit über Finanzinstrumente, die ihr den Zugriff auf weitere Anteile sichern. Nach Angaben der Bank kann sie weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien auf jeden Fall erwerben, wenn sie entsprechende Kaufoptionen ausübt. Die Offerte läuft zunächst bis zum 16. Juni und kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Unicredit wertete die Resonanz auf das Angebot als Beleg dafür, welchen Wert Investoren in der Offerte sehen.
Commerzbank lehnt feindliche Übernahme ab
Den Einstieg bei der Commerzbank hatte Unicredit im September 2024 genutzt, als der Bund Aktien veräußerte. Innerhalb kurzer Zeit stiegen die Italiener damit zum mit Abstand größten Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Privatbank auf und überholten auch den deutschen Staat. Unicredit, die in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank aktiv ist, sieht bei einem Zusammenschluss Potenzial für milliardenschwere Einsparungen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit Längerem für größere Bankkonzerne in Europa und erhöhte am 5. Mai mit dem freiwilligen Kaufangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien den Druck. Bei der Commerzbank stößt das Vorgehen jedoch weiter auf entschiedenen Widerstand: Management, Betriebsrat und Beschäftigte werten den Vorstoß als feindlich.
Commerzbank warnt vor Risiken
Aufsichtsrat und Vorstand der Commerzbank raten den Aktionären des Dax-Konzerns davon ab, ihre Anteile an Unicredit zu verkaufen. Zur Begründung verweisen sie unter anderem darauf, dass das Angebot keine Übernahmeprämie enthalte, sondern sogar unter dem aktuellen Börsenkurs liege.
Zugleich warnt die Commerzbank vor erheblichen Risiken für Anteilseigner. So gehört Unicredit trotz eingeleiteter Verkaufspläne für Teile ihres Russland-Geschäfts weiterhin zu den größten noch aktiven Auslandsbanken in Russland.
Auch beim Personal sieht die Commerzbank erhebliche Gefahren. Während das Institut im Fall der Eigenständigkeit zuletzt den Abbau von weiteren 3.000 Vollzeitstellen bis 2030 beschlossen hat, könnten bei einer Übernahme durch Unicredit nach Einschätzung von Vorstandschefin Bettina Orlopp bis zu 11.000 Arbeitsplätze wegfallen. Insgesamt hält die Commerzbank den von Unicredit vorgelegten Plan für unrealistisch.
Die Bank verweist zugleich auf ihre eigene Entwicklung: 2025 erzielte sie nach eigenen Angaben das beste operative Ergebnis ihrer Geschichte und will ihre Aktionäre mit steigenden Gewinnen und höheren Dividenden überzeugen. Auch der Bund, der weiterhin gut 12 Prozent an der Commerzbank hält, lehnt eine feindliche Übernahme ab.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber