Wirtschaft

Landeskirchen öffnen Jobs für Nicht-Evangelische

Wegen Personalmangel kippt die evangelische Kirche ihre Regeln weiter – bald braucht es für viele Jobs keine Kirchenmitgliedschaft mehr.

02.06.2026, 14:50 Uhr

Die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern lockert ihre Vorgaben bei der Einstellung von Personal deutlich: Ab dem 1. Juli ist für die meisten Jobs eine Kirchenmitgliedschaft nicht mehr zwingend erforderlich. Das teilte die Arbeitsrechtliche Kommission der Landeskirche mit.

Ausgenommen von der Neuregelung sind weiterhin Bereiche, die unmittelbar mit dem kirchlichen Auftrag verbunden sind. Dazu gehören unter anderem Verkündigung, Konfirmanden- und Religionsunterricht, Seelsorge sowie Funktionen mit besonderer Verantwortung für das evangelische Profil in Kirche und Diakonie. Auch hauptamtliche Kirchenmusiker auf sogenannten A- und B-Stellen, etwa Kantoren und Organisten, müssen weiterhin der Kirche angehören.

Kirche reagiert auf Personalnot und sinkende Mitgliederzahlen

Vor allem in der Diakonie, also im Pflege- und Sozialbereich, arbeiten schon seit Längerem viele Menschen ohne evangelische Konfession. Bislang galt dies nach den internen Regeln jedoch eher als Ausnahmefall. Nun wird diese Praxis offiziell ausgeweitet.

Hintergrund sind zum einen wachsende Probleme bei der Personalgewinnung, zum anderen der anhaltende Rückgang der Kirchenmitglieder. Neben zahlreichen Austritten wirkt sich auch der demografische Wandel aus: Seit Jahren übersteigt die Zahl der Todesfälle die der Taufen deutlich.

Auch Mitarbeitende ohne Kirchenbindung sollen den Auftrag mittragen

Nach Angaben von Oberkirchenrätin Marion Böttcher soll die neue Regelung das evangelische Selbstverständnis von Kirche und Diakonie mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes in Einklang bringen. Zudem sei die Änderung auch wegen entsprechender Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs notwendig geworden.

Unabhängig von ihrer Konfession oder Religionszugehörigkeit sollen jedoch alle Beschäftigten weiterhin dazu beitragen, den kirchlichen und diakonischen Auftrag zu erfüllen.

Im vergangenen Jahr kehrten rund 42.000 Menschen der bayerischen Landeskirche den Rücken. Dadurch fiel die Mitgliederzahl auf unter zwei Millionen. Gleichzeitig standen knapp 29.800 Todesfällen nur etwas mehr als 12.500 Taufen gegenüber.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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