Inflation in der Eurozone steigt im Mai auf 3,2 Prozent
Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum auch im Mai weiter angeheizt. Nach einer ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat lagen die Verbraucherpreise 3,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Im April hatte die Inflationsrate noch 3,0 Prozent betragen. Damit bleibt die Teuerung klar über dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die mittelfristig 2,0 Prozent anstrebt.
Angesichts dieser Entwicklung wächst der Druck auf die EZB, geldpolitisch gegenzusteuern. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank bei ihrer Sitzung am 11. Juni die Leitzinsen erstmals in diesem Jahr anhebt. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins liegt derzeit bei 2,0 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt bekräftigt, dass die Zentralbank bei Bedarf handlungsbereit sei.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet damit, dass die Inflation noch viele Monate über 3 Prozent bleiben könnte – sofern die Straße von Hormus nicht doch schneller als erwartet wieder geöffnet wird. Für anhaltenden Preisdruck spricht aus seiner Sicht auch, dass immer mehr Unternehmen laut Umfragen ihre höheren Energiekosten an die Kundschaft weitergeben. Deshalb dürfte die EZB nach seiner Einschätzung kaum an einer Zinserhöhung in der kommenden Woche vorbeikommen. Nach der Sommerpause sei zudem ein weiterer Schritt nach oben wahrscheinlich.
Energiepreise treiben die Teuerung besonders stark
Besonders deutlich zeigte sich der Preisschub bei der Energie: Sie verteuerte sich im Mai im Jahresvergleich um 10,9 Prozent. Dienstleistungen wurden um 3,5 Prozent teurer. Bei Lebens- und Genussmitteln lag der Preisauftrieb bei 2,0 Prozent.
Steigende Leitzinsen würden Kredite für private Haushalte und Unternehmen verteuern. Das könnte die Nachfrage bremsen und den Preisauftrieb abschwächen. Gleichzeitig wären höhere Zinsen jedoch eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum, die bereits unter den Folgen des Iran-Krieges leidet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion