EBM-Papst geht für Milliardenbetrag an US-Konzern Madison Air
Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst aus Mulfingen in Baden-Württemberg steht vor einem Eigentümerwechsel: Das bislang familiengeführte Unternehmen soll vom börsennotierten US-Konzern Madison Air übernommen werden. Nach Unternehmensangaben liegt der Nettoverkaufspreis bei 4,775 Milliarden Euro. Im Zuge der Transaktion wird EBM-Papst insgesamt mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Unternehmenschef Klaus Geißdörfer erklärte, das Potenzial der Gruppe sei noch nicht ausgeschöpft. Mit Madison habe man einen Partner gefunden, der genau verstehe, was EBM-Papst ausmache und was nötig sei, um die Marktführerschaft weiter auszubauen. Zudem erhofft sich das Unternehmen einen besseren Zugang zum US-Markt.
Geißdörfer hatte in den vergangenen Jahren vor allem das Geschäft mit Rechenzentren ausgebaut, in denen leistungsfähige Kühlsysteme benötigt werden. Große Chancen sehen die Eigentümerfamilien insbesondere in diesem Bereich sowie bei KI-Infrastruktur. Madison Air gilt aus ihrer Sicht auch deshalb als passender Käufer, weil der Konzern seit Jahrzehnten auf nachhaltige Unternehmensentwicklung setzt und in der Luft-, Kühl- und Filtertechnik stark aufgestellt ist.
Hinzu kommt, dass sich beide Unternehmen regional gut ergänzen. Nach Angaben von Geißdörfer ist Madison Air in Europa und Asien bislang kaum vertreten, während EBM-Papst dort gut positioniert ist. Auch das Servicegeschäft soll mit dem neuen Partner gezielt ausgebaut werden. Dieser Bereich gewinne zunehmend an Bedeutung.
Umsatz zuletzt gestiegen
Madison Air ist ein US-Industriekonzern mit Schwerpunkt auf Belüftungs-, Filtrations- und Kühlsystemen und zählt bereits seit Langem zu den Kunden von EBM-Papst. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 9.000 Menschen und erzielte zuletzt einen Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar.
EBM-Papst selbst hat weltweit mehr als 13.000 Beschäftigte, davon rund 5.800 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende März abgeschlossen wurde, stieg der Umsatz um sechs Prozent auf etwa 2,24 Milliarden Euro. Das Wachstum wurde allerdings durch den Rückzug aus mehreren Geschäftsfeldern beeinflusst. Im fortgeführten Kerngeschäft lag das Plus bei zwölf Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr rechnete das Unternehmen zuletzt mit einem Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent in den fortgeführten Geschäftsbereichen. Angaben zum Gewinn macht EBM-Papst nicht.
Die bisherigen Gesellschafterfamilien scheiden mit dem Verkauf aus. Der Hauptsitz soll auch nach der Übernahme in Mulfingen bleiben. Madison-Air-Chefin Jill Wyant betonte, beide Unternehmen könnten gemeinsam auf einem bereits starken Fundament weiter aufbauen. Der Abschluss der Transaktion wird gegen Jahresende erwartet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber