Wirtschaft

Alarm: Jeder zehnte junge Mensch ohne Job und Bildung

Alarmtrend in Deutschland: Immer mehr junge Menschen starten ohne Job oder Ausbildung – mit Folgen fürs ganze Land.

17.08.2026, 12:38 Uhr

In Deutschland wächst der Anteil junger Erwachsener, die weder arbeiten noch eine Schule, Ausbildung oder ein Studium besuchen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betraf das im vergangenen Jahr 10,0 Prozent der 20- bis 24-Jährigen. Im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 9,5 Prozent, 2022 bei 8,8 Prozent.

Ein hoher Anteil dieser Gruppe gilt als gesellschaftlich problematisch. Damit verbunden sind unter anderem ein erhöhtes Risiko von Arbeitslosigkeit, geringere soziale Teilhabe sowie mögliche Folgen wie mehr Kriminalität oder politische Enttäuschung.

Im Bildungsbericht 2024 werden verschiedene Ursachen genannt. Demnach war etwa ein Viertel der Betroffenen aktiv auf Jobsuche. Rund 10 Prozent standen kurz davor, ein Studium, eine Ausbildung oder eine Beschäftigung aufzunehmen. Knapp zwei Drittel waren dem Arbeitsmarkt jedoch gar nicht verfügbar. Als häufige Gründe wurden familiäre Betreuungspflichten und gesundheitliche Einschränkungen genannt.

Forderung nach verlässlicher Ausbildungsgarantie

Nach Einschätzung von Bettina Kohlrausch von der Hans-Böckler-Stiftung gelingt immer mehr jungen Menschen der Übergang von der Schule in eine Ausbildung und anschließend in den Beruf nicht mehr reibungslos. Für die Betroffenen bedeute das unsichere Zukunftsaussichten und oft einen schwierigen Start ins Erwerbsleben. Zugleich gingen dem Arbeitsmarkt dadurch dringend benötigte Fachkräfte verloren. Als Gegenmaßnahme bringt sie eine verbindliche Ausbildungsgarantie ins Spiel.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland zwar besser da als der Durchschnitt der EU. Die sogenannte NEET-Quote – also der Anteil junger Menschen, die nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung sind – lag hierzulande bei 10,0 Prozent, während der EU-Schnitt 12,9 Prozent erreichte. Deutlich niedrigere Werte meldeten jedoch die Niederlande mit 5,6 Prozent sowie Schweden und Tschechien mit jeweils etwas mehr als sieben Prozent. Besonders hoch fiel die Quote in Rumänien (22,8 Prozent) aus, gefolgt von Bulgarien (17,3 Prozent) und Frankreich (16,2 Prozent).

Junge Frauen etwas häufiger betroffen

In Deutschland sind junge Frauen mit 10,5 Prozent etwas öfter von fehlender Beschäftigung oder Ausbildung betroffen als junge Männer mit 9,6 Prozent. Auffällig ist zudem der Unterschied zwischen Stadt und Land: Anders als in vielen anderen europäischen Ländern ist der Anteil hierzulande in ländlichen Regionen mit 7,9 Prozent niedriger als in größeren Städten mit 10,6 Prozent.

Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, sieht darin ein deutliches Warnsignal. Wenn jeder zehnte junge Mensch weder in Arbeit noch in Bildung oder Ausbildung sei, zeige das strukturelle Probleme. Während Unternehmen dringend Fachkräfte suchten, blieben gleichzeitig viele junge Menschen ohne Perspektive. Engelmeier fordert daher, den Schwerpunkt in Jobcentern und Arbeitsagenturen stärker auf Förderung, Beratung, Qualifizierung und Unterstützung beim Berufseinstieg zu legen – statt vor allem über Druck und Sanktionen zu diskutieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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