Wirtschaft

Onecoin-Betrügerin auf der Flucht – Vermögen kassiert

Onecoin-Erfinderin Ruja Ignatova bleibt verschwunden – doch jetzt gibt es für Tausende Betroffene überraschend Hoffnung auf Geld.

05.10.2026, 12:38 Uhr

Auch mehr als ein Jahr nach der Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen die Gründerin der angeblichen Kryptowährung Onecoin wird international weiter nach Ruja Ignatova wegen Betrugs gesucht. Nach Angaben der Behörde ist ihr Aufenthaltsort weiterhin ungeklärt. Allerdings konnten inzwischen Vermögenswerte von rund 10,1 Millionen Euro gesichert werden, die den Geschädigten zugutekommen sollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte im September 2025 Anklage gegen die Juristin erhoben, um eine Verjährung der vorgeworfenen Straftaten zu verhindern. In der Anklageschrift werden mehr als 17.500 Betroffene aufgeführt. Für den Zeitraum von 2015 bis 2016 beziffert die Behörde den Schaden auf insgesamt 57 Millionen Euro. Weltweit sollen jedoch Millionen Anleger betroffen sein, der Gesamtschaden soll sich auf Milliarden belaufen. Nach Auffassung der Ermittler baute Ignatova für den Vertrieb der von ihr erfundenen Kryptowährung ein betrügerisches Schneeballsystem auf. Der Firmensitz befand sich in Greven im Münsterland.

Geschädigte sollen sich melden

Wie Oberstaatsanwalt Carsten Nowak mitteilte, gelang es der Bielefelder Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafverfahren mithilfe internationaler Rechtshilfe, knapp 10,1 Millionen Euro aus dem Privatvermögen der Beschuldigten einzuziehen. Das Geld stammt aus dem Verkauf von zwei Eigentumswohnungen in London und soll in die Entschädigung der Opfer fließen.

Anleger aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern, die zwischen dem 9. Dezember 2015 und dem 15. August 2016 Geld auf Konten des Zahlungsdienstleisters IMS GmbH in Greven überwiesen haben, können sich bei der Staatsanwaltschaft melden. Voraussetzung ist ein Nachweis über die geleisteten Zahlungen. Anschließend wird geprüft, ob Ansprüche auf Entschädigung bestehen. Laut Nowak sind die rechtskräftig festgestellten Geschädigten zwar namentlich bekannt, jedoch liegen nicht in allen Fällen aktuelle Anschriften vor.

Staatsanwaltschaft und Gerichte in Bielefeld
Die Staatsanwaltschaft hat Vermögenswerte einer mutmaßlichen Betrügerin für geschädigte Opfer eingezogen. (Symbolfoto) Quelle: Friso Gentsch/dpa

Seit 2017 verschwunden

Ignatova verschwand im Jahr 2017 spurlos. Nach Angaben der Ermittler reiste sie am 25. Oktober 2017 von Sofia nach Athen und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Seither läuft weltweit eine Fahndung, auch mit Fotos der in Süddeutschland aufgewachsenen Frau. Hinweise auf ihren Aufenthaltsort sollen an das Landeskriminalamt in Düsseldorf gemeldet werden. Die ihr vorgeworfenen Taten verjähren nach jetzigem Stand im Sommer 2031.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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