Elon Musk hat für SpaceX ein neues Extremziel ausgerufen: Der Raumfahrt- und KI-Konzern soll bereits 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erreichen – und damit ein Jahr früher als bislang in Aussicht gestellt. In einer Telefonkonferenz mit Analysten bekräftigte Musk zudem seine Pläne, Rechenzentren in die Umlaufbahn zu verlagern und mit dem Satelliten-Internetdienst Starlink großen Telekommunikationsanbietern Marktanteile abzunehmen.
An der Wall Street kamen die Ankündigungen jedoch schlecht an. Die SpaceX-Aktie verlor im frühen US-Handel am Mittwoch rund neun Prozent und notierte zuletzt nur noch bei etwa 114 Dollar.
Von der anvisierten Billionen-Marke ist SpaceX operativ derzeit noch weit entfernt. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen 7,8 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Musk zufolge soll das künftige Wachstum vor allem aus dem Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommen.
Die KI-Sparte setzte zuletzt 2,56 Milliarden Dollar um und investierte zugleich 15,8 Milliarden Dollar, vor allem in den Ausbau von Rechenzentren. Rund 1,6 Milliarden Dollar der Erlöse stammten aus der Vermietung von Rechenzentrumskapazitäten an Kunden wie Anthropic und Google.
Am nächsten an die Umsatzmarke von einer Billion Dollar kommt derzeit Amazon heran: Der Handels- und Cloudkonzern setzte im vergangenen Jahr knapp 717 Milliarden Dollar um.
Starlink bleibt wichtigster Geldbringer
Der wichtigste Erlösbringer von SpaceX ist weiterhin Starlink. Der Satelliten-Internetdienst steigerte seine Umsätze im Jahresvergleich um fast zwei Drittel auf rund 4,3 Milliarden Dollar. Zunehmend greifen auch Fluggesellschaften auf Internetzugänge über Satellit zurück.
Das operative Ergebnis von Starlink verbesserte sich um 80 Prozent auf etwa 1,66 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Kunden binnen drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen.
COO Gwynne Shotwell zeigte sich überzeugt, dass Starlink mit einer neuen Generation leistungsfähigerer Satelliten selbst große Mobilfunkanbieter unter Druck setzen könne. Gerade Regionen ohne zuverlässige Mobilfunkabdeckung ließen sich aus dem All versorgen – ein Problem, das auch in den USA weiterhin relevant ist.
Starship bleibt das große Zukunftsprojekt
Für die US-Raumfahrt ist SpaceX inzwischen ein zentraler Akteur. Mit den derzeit genutzten Falcon-Raketen transportiert das Unternehmen nach Musks Angaben jährlich rund 2.500 Tonnen Nutzlast ins All.
Im Zentrum der langfristigen Strategie steht jedoch die Großrakete Starship, die sich weiter in der Testphase befindet. Mit ihr will SpaceX zunächst eine jährliche Transportkapazität von einer Million Tonnen erreichen und langfristig sogar zehn Millionen Tonnen. Schon in etwa einem Jahr werde man Starship „mindestens einmal pro Tag“ starten sehen – möglicherweise sogar häufiger, sagte Musk.
Solche Zeitpläne werden allerdings mit Vorsicht betrachtet. Auch bei Tesla hatte Musk in der Vergangenheit wiederholt ambitionierte Fristen gesetzt, die später nicht eingehalten wurden – etwa beim autonomen Fahren oder bei neuen Modellen.
Die hohen Ausgaben für Starship und den KI-Ausbau belasteten die Bilanz weiterhin stärker als die Gewinne aus dem Starlink-Geschäft. Unter dem Strich verzeichnete SpaceX im Quartal einen Verlust von 541 Millionen Dollar, nachdem das Minus ein Jahr zuvor noch bei rund einer Milliarde Dollar gelegen hatte.
Nach starkem Börsenstart unter Druck
Erst Mitte Juni war SpaceX mit einem Emissionserlös von 75 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Beim Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie wurde das Unternehmen zum Debüt mit fast 1,8 Billionen Dollar bewertet. Diese hohe Bewertung stand in starkem Kontrast zum aktuellen Geschäftsumfang und wurde vor allem mit den ehrgeizigen KI-Plänen begründet.
In den ersten Wochen nach dem Börsengang war die Aktie – auch dank starker Nachfrage von Privatanlegern – auf mehr als 225 Dollar gestiegen. Inzwischen ist der Kurs jedoch wieder deutlich unter den Ausgabepreis gefallen.
Zusätzlicher Druck könnte nun von einer auslaufenden Haltefrist ausgehen: Ab Donnerstag könnten weitere Aktien von Insidern und frühen Investoren auf den Markt kommen. Ein höheres Angebot dürfte die Kurse bei unveränderter Nachfrage zusätzlich belasten.
Spekulationen darüber, ob Tesla möglicherweise von SpaceX übernommen werden könnte, spielten in der Analystenkonferenz keine Rolle.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber