Wirtschaft

Nagel: So stützen Rentenpaket und Waffenruhe die Wirtschaft

Zwei überraschende Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft – doch warum bremst der Bundesbank-Chef die Euphorie?

23.06.2026, 14:55 Uhr

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht in den Plänen für eine Reform des Rentensystems sowie in den Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs positive Signale für die angeschlagene deutsche Wirtschaft. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt sagte er, die Einigung zwischen dem Iran und den USA auf eine Waffenruhe sei sehr zu begrüßen. Daraus ergebe sich die Hoffnung, dass Energie in Zukunft wieder billiger werden könnte.

Für eine Entwarnung in der Geldpolitik sei es nach Nagels Worten jedoch noch zu früh. Es werde einige Zeit brauchen, bis sich das Angebot an Öl und Gas wieder normalisiert habe. Zudem hätten die gestiegenen Preise für Energierohstoffe inzwischen auch Auswirkungen auf viele andere Güter. Die Europäische Zentralbank bleibe daher handlungsbereit, falls weiteres Eingreifen notwendig werden sollte.

Angesichts der höheren Inflation hatte die EZB vor kurzem erstmals seit beinahe drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Der Einlagenzins, der für Banken und Sparer von besonderer Bedeutung ist, liegt nun bei 2,25 Prozent. Steigende Zinsen verteuern Kredite, können dadurch die Nachfrage dämpfen und so den Preisauftrieb bremsen. Gleichzeitig belasten sie aber die Konjunktur. Nagel betonte dennoch, dass die Wirtschaft auf längere Sicht von stabilen Preisen profitiere, weil diese mehr Sicherheit etwa für Investitionsentscheidungen schaffen.

Politik muss Reformen vorantreiben

Auf die Frage, was die Politik zusätzlich tun könne, um das schwache Wachstum in Deutschland zu beleben, verwies Nagel auf grundlegende Reformen bei Rente, Gesundheit und Arbeitsmarkt. Das von der Rentenkommission vorgelegte Maßnahmenpaket bewertet er positiv, da es die demografischen Probleme berücksichtige und den Druck auf die Rentenversicherung mindern könne.

Zu den wichtigen Vorschlägen zählte Nagel die Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung sowie das Ende der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte. Auch die geplante stärkere Kapitaldeckung in der Altersvorsorge könne langfristig helfen, das umlagefinanzierte System zu entlasten. Davon könnten Versicherte profitieren, weil sie stärker an den Entwicklungen der Kapitalmärkte teilhaben. Entscheidend sei nun, die Vorschläge möglichst rasch als Gesamtpaket umzusetzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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