Wirtschaft

Solar-Boom: Deutschland plötzlich auf Platz vier weltweit

Wenig Sonne, trotzdem top: Warum Deutschland bei Solarenergie sogar Spanien und Italien abhängt, überrascht weltweit.

23.06.2026, 13:30 Uhr

Deutschland hat beim Ausbau der Solarenergie weltweit den vierten Platz erreicht. Nach vorläufigen Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar) wurden 2025 in Deutschland neue Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 17,6 Gigawatt ans Netz gebracht. Der Verband stellte die Zahlen zum Auftakt der Fachmesse Intersolar in München vor. Unangefochten an der Spitze bleibt erneut China: Dort wurden Solaranlagen mit knapp 382 Gigawatt neu installiert – mehr als in den neun danach folgenden Ländern der Top Ten zusammen.

Deutschland vor Südeuropa

Hinter China folgen Indien mit 45,7 Gigawatt und die USA mit 43,2 Gigawatt auf den Plätzen zwei und drei. Auch bei der insgesamt installierten Solarleistung liegt Deutschland mit 118 Gigawatt auf Rang vier. Innerhalb Europas führt die Bundesrepublik damit vor klassischen Sonnenländern wie Spanien, Frankreich und Italien.

Weniger Nachfrage von Privathaushalten und Firmen

Der Zuwachs im vergangenen Jahr wurde laut Verband allerdings zu einem großen Teil von neuen Freiflächenanlagen getragen. Fast die Hälfte des Ausbaus entfiel auf diese Großprojekte. Gleichzeitig ging die Nachfrage in anderen Bereichen zurück: Private Hauseigentümer beauftragten 24 Prozent weniger neue Anlagen als im Vorjahr, bei Unternehmen betrug das Minus elf Prozent.

BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Karsten Körnig erklärte, dass der Krieg mit dem Iran sowie die geplanten Kürzungen bei der Solarförderung durch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) der Branche in diesem Jahr kurzfristig zusätzlichen Rückenwind verschafft hätten.

Ausbau im Mai über Vorjahresniveau

Im Mai lag der Ausbau der Solarenergie nach Verbandsangaben 16 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Der BSW rechnet derzeit damit, dass 2026 ein ähnlicher Zubau wie im vergangenen Jahr erreicht wird. Ein zuvor erwarteter Rückgang könnte damit ausbleiben.

Verband warnt vor Kürzung der Förderung

Körnig forderte die Bundesregierung auf, die Zuschüsse für neue Solaranlagen auf Wohngebäuden nicht zu streichen. Nach seinen Angaben wird etwa ein Drittel des Stroms aus privaten Solaranlagen ins öffentliche Netz eingespeist – und nur dieser Anteil wird gefördert. Dafür erhalten Betreiber derzeit rund sieben Cent pro Kilowattstunde.

Nach Berechnungen des Verbands würde der Wegfall dieser Unterstützung die Wirtschaftlichkeit deutlich verschlechtern. Eine durchschnittliche Dachanlage würde sich dann erst nach rund 20 Jahren rechnen. Aus Sicht des BSW könnte das viele potenzielle Investoren abschrecken, da Eigenheimbesitzer in der Regel mit einer Amortisationszeit von etwa zehn bis zwölf Jahren kalkulieren. Steige diese auf 20 Jahre oder mehr, dürfte laut Verband nur noch ein kleiner Teil der Haushalte bereit sein, in eine Solaranlage zu investieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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