Wirtschaft

Miet-Schock in Großstädten: Jetzt fliehen Berufstätige

Großstadttraum geplatzt? Hohe Mieten treiben viele weg – und bringen Unternehmen plötzlich in ernste Bedrängnis.

12.05.2026, 04:00 Uhr

Studie: Hohe Mieten bremsen Fachkräfte in deutschen Großstädten

Gute Jobchancen, kurze Wege und viele Freizeitangebote machen deutsche Metropolen zwar attraktiv. Doch die hohen Wohnkosten werden für viele Beschäftigte zunehmend zum Problem. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft PwC gelten teure Mieten inzwischen als einer der größten Nachteile des Lebens in Ballungsräumen – und als Belastung für Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften.

PwC-Standortleiter Bernd Roese aus Frankfurt erklärte, vor allem die Miethöhe und die schwierige Suche nach bezahlbarem Wohnraum sorgten bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für anhaltenden Frust. Die Erhebung werde bereits seit drei Jahren durchgeführt, das Problem habe sich in dieser Zeit weiter verfestigt.

Große Zufriedenheit mit dem Stadtleben – aber Frust beim Wohnen

Für die Studie wurden im Januar 4.000 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren in zwölf deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern online befragt. Dazu zählen unter anderem Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Essen, Leipzig und Hannover.

Grundsätzlich bewerten die meisten Befragten das Leben in der Großstadt positiv. 89 Prozent fühlen sich an ihrem Wohnort wohl. Besonders geschätzt werden Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Bildungsangebote, die beruflichen Perspektiven sowie vergleichsweise kurze Arbeitswege.

Beim Thema Wohnen kippt die Stimmung jedoch deutlich: Rund zwei Drittel zeigen sich unzufrieden mit den Mieten, den Preisen für Wohneigentum und dem knappen Angebot. 87 Prozent sind sogar der Ansicht, dass es in Großstädten nahezu Glückssache sei, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Wohnungssuche
In vielen Großstädten sind Wohnungen heiß begehrt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Vor allem Jüngere ziehen Konsequenzen

Die hohen Wohnkosten bleiben nicht ohne Folgen. Laut Umfrage hat mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen bereits über einen Arbeitsplatzwechsel wegen der Mieten nachgedacht. Zehn Prozent haben aus diesem Grund sogar schon den Wohn- oder Arbeitsort gewechselt. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen betrifft das fast jede fünfte Person.

Zudem sehen rund 80 Prozent der Befragten die angespannte Lage am Wohnungsmarkt als ernstes Hindernis, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu halten.

Wenn für einen neuen Job ein Umzug nötig wäre, spielen für die Hälfte der Befragten die Mietkosten eine entscheidende Rolle. Damit liegen sie noch vor der Länge des Arbeitswegs, die für 42 Prozent wichtig ist. Am häufigsten genannt wird allerdings die Jobsicherheit mit 54 Prozent. Für Roese ist das ein Zeichen dafür, dass viele Menschen wegen der wirtschaftlichen Lage verunsichert sind.

Politik und Unternehmen in der Verantwortung

Beim Thema bezahlbares Wohnen erwarten die Befragten sowohl von der Politik als auch von Arbeitgebern deutlich mehr Einsatz. 88 Prozent sprechen sich für einen stärkeren öffentlichen Wohnungsbau aus, der sich an Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen richtet. 85 Prozent befürworten zudem, leerstehende Büroflächen in Wohnungen umzuwandeln.

Auch Unternehmen sehen viele in der Pflicht: 83 Prozent halten einen Mietzuschuss durch den Arbeitgeber für eine geeignete oder sogar sehr geeignete Maßnahme. Etwa 80 Prozent wünschen sich außerdem, dass Firmen Fahrtkosten übernehmen oder Werks- beziehungsweise Betriebswohnungen zur Verfügung stellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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