Wirtschaft

Mehrheit will raus aus China- und USA-Abhängigkeit

Mehr Unabhängigkeit für Europa – doch wer trägt die Mehrkosten? Fast jeder Zweite sagt Ja, ein Drittel warnt.

03.07.2026, 10:26 Uhr

Große Zustimmung für breitere Wirtschaftsbeziehungen

Eine klare Mehrheit in Deutschland befürwortet den Ausbau wirtschaftlicher Kontakte zu weiteren Partnerstaaten außerhalb von China und den USA. Das geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung hervor.

Demnach unterstützen 85 Prozent die Aussage, dass Europa seine Wirtschaftsbeziehungen auf mehr Länder verteilen sollte, um die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten und China zu verringern. Nur fünf Prozent widersprachen. Zehn Prozent der Befragten zeigten sich unentschlossen. Für die Erhebung wurden zwischen dem 16. und 19. Juni rund 5.000 Menschen in Deutschland befragt.

Wunsch nach mehr Eigenständigkeit in zentralen Bereichen

Die Ergebnisse machen zudem deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger eine stärkere wirtschaftliche Unabhängigkeit Deutschlands beziehungsweise Europas in bestimmten Schlüsselbranchen wichtig finden.

Am häufigsten wurde dabei der Bereich Energie genannt: Jeder Zweite hält hier mehr Unabhängigkeit für besonders wichtig. 45 Prozent nannten Medikamente, 40 Prozent die Rüstungs- und Verteidigungstechnologie. Bei Halbleitern und Chips sehen 32 Prozent Handlungsbedarf. Künstliche Intelligenz spielt für jeden Fünften eine wichtige Rolle. Bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich.

Zustimmung sinkt, wenn höhere Kosten drohen

Weniger eindeutig fällt das Bild aus, sobald größere Unabhängigkeit mit finanziellen Belastungen verbunden wäre. Auf die Aussage, die Politik solle kurzfristig höhere Kosten für Unternehmen und Verbraucher in Kauf nehmen, damit Europa langfristig wirtschaftlich unabhängiger werde, antworteten 47 Prozent mit Zustimmung. 33 Prozent lehnten das ab, während 20 Prozent unentschieden blieben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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