Wohnungsgenossenschaften in Bayern kämpfen mit Baukrise
München. Für bayerische Wohnungsgenossenschaften wird es zunehmend schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Hauptgründe sind stark gestiegene Baukosten und der Mangel an verfügbarem, erschwinglichem Bauland. Darauf weist der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) mit Blick auf den internationalen Tag der Genossenschaften an diesem Samstag hin.
Nach Angaben des Verbands wurden im Freistaat seit 2021 nur noch acht neue Wohnungsgenossenschaften gegründet. In den Jahren von 2015 bis 2021 waren es noch 36. VdW-Direktor Hans Maier erklärte in München, gerade neu gegründete Genossenschaften stünden bei ihrem ersten Bauprojekt vor kaum lösbaren Problemen: Die Baukosten seien zu hoch, zugleich fehle es in den Ballungsräumen Bayerns an geeignetem und bezahlbarem Bauland.
In diesem Jahr nur noch halb so viele Fertigstellungen erwartet
Auch bei den Fertigstellungen zeigt sich der Rückgang deutlich. Im Jahr 2025 stellten die knapp 350 bayerischen Wohnungsgenossenschaften 879 Wohnungen fertig. Das waren im Vergleich zum Vorjahr mehr als ein Drittel weniger. Für das laufende Jahr rechnet der Verband auf Basis einer Abfrage unter den Unternehmen nur noch mit 449 fertiggestellten Wohnungen. Das entspräche erneut einem Rückgang um knapp die Hälfte.
Maier betonte, dass zur Refinanzierung der aktuellen Baukosten häufig Mieten von mehr als 18 Euro pro Quadratmeter nötig wären. Ein solches Mietniveau wollten und könnten Genossenschaften ihren Mitgliedern jedoch nicht anbieten.
Verband fordert mehr Hilfe vom Freistaat
Der VdW verweist darauf, dass Wohnungsgenossenschaften in früheren Krisenzeiten oft eine wichtige Rolle beim Wohnungsbau gespielt hätten. So prägen in München und vielen anderen deutschen Großstädten noch heute genossenschaftliche Wohnsiedlungen aus den 1920er Jahren das Stadtbild – entstanden ebenfalls in einer Phase großer Wohnungsnot.
Vor diesem Hintergrund fordert der Verband von der bayerischen Staatsregierung stärkere Unterstützung, insbesondere für neue Genossenschaften. Im VdW sind rund 500 sozial orientierte Wohnungsunternehmen organisiert, darunter neben Genossenschaften auch 110 kommunale Wohnungsbaugesellschaften.
Gewerkschaften fordern Mietenstopp und mehr Investitionen
Nach einer Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hat die langjährige Flaute im Wohnungsbau – nicht nur bei den Genossenschaften – zu einem überdurchschnittlich starken Anstieg der Mieten geführt, auch in kleineren Städten.
In München stieg die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter laut DGB zwischen 2016 und 2026 um 51,6 Prozent von 15,34 auf 23,26 Euro. In Kempten im Allgäu liegt das Mietniveau zwar weiterhin niedriger, der Anstieg fiel dort aber noch deutlich stärker aus: Anfang dieses Jahres wurden dort demnach rund 14 Euro pro Quadratmeter verlangt – knapp 86 Prozent mehr als vor zehn Jahren.
„Steigende Mieten sind längst kein ausschließliches Problem der Metropolen mehr“, erklärte DGB-Landesvorsitzender Bernhard Stiedl. Die Gewerkschaften fordern deshalb einen sechsjährigen Mietenstopp. Zudem plädierte Stiedl für einen massiven Ausbau des öffentlichen und sozialen Wohnungsbaus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber