Mecklenburg-Vorpommern

Microsoft raus: Mecklenburg-Vorpommern zieht den Stecker

Schluss mit Tech-Giganten? Dieses Bundesland setzt radikal auf Open Source – und bald arbeiten 50.000 Beschäftigte damit.

03.07.2026, 05:15 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern setzt in der Digitalisierung auf mehr Unabhängigkeit

Mecklenburg-Vorpommern will sich in der Digitalpolitik stärker von großen Softwareanbietern lösen. Nach Angaben des Finanz- und Digitalisierungsministeriums trennt sich das Land schrittweise von Lösungen internationaler Tech-Konzerne wie Microsoft. Stattdessen entsteht eine landesweite Plattform auf Open-Source-Basis. Ziel sind mehr digitale Souveränität und auf mittlere bis lange Sicht auch geringere Kosten, sagte Finanzminister Heiko Geue (SPD).

Nextcloud ersetzt schrittweise SharePoint

Kern der neuen Strategie ist die Einführung von Nextcloud, einer in Deutschland entwickelten Open-Source-Plattform. Sie ermöglicht das sichere Speichern und Teilen von Dateien sowie Chats und Videokonferenzen für die Zusammenarbeit in Teams. Der entscheidende Vorteil: Die Datenhoheit bleibt beim Land.

Laut CIO Marco Anschütz ist die erste Phase des Wechsels von Microsoft SharePoint bereits erfolgreich abgeschlossen. Für die ersten 5.000 Beschäftigten sei die Umstellung reibungslos und ohne Datenverluste verlaufen.

Perspektivisch für mehr als 50.000 Beschäftigte

Das Projekt ist deutlich größer angelegt. Künftig sollen mehr als 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst des Landes mit dem System arbeiten – von Ministerien bis zu kommunalen Einrichtungen. Betrieben wird die Software auf eigener Infrastruktur durch den landeseigenen IT-Dienstleister DVZ M-V GmbH.

Norddeutsche Allianz mit Schleswig-Holstein

Mit diesem Kurs steht Mecklenburg-Vorpommern nicht allein da. Bereits im Oktober 2025 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit Schleswig-Holstein geschlossen, das als Vorreiter beim Einsatz von Open-Source-Software gilt. Beide Länder verstehen sich als technologische Allianz im Norden.

Geplant ist, die jeweiligen Infrastrukturen aufeinander abzustimmen. Damit sollen vor allem die IT-Sicherheit gestärkt und gegenseitige Absicherungen für Notfälle ermöglicht werden.

Auch bei KI soll Abhängigkeit vermieden werden

Nicht nur bei Cloud-Diensten, auch bei Künstlicher Intelligenz setzt das Land auf mehr Eigenständigkeit. Beim Verwaltungs-Chatbot „Lea“ soll bewusst auf US-Hyperscaler und die Infrastruktur großer Konzerne wie Microsoft, OpenAI, Google oder Amazon verzichtet werden.

Stattdessen kommen nach Angaben von Anschütz europäische Sprachmodelle in Betracht, darunter Mistral aus Frankreich und Tilde aus Lettland.

Microsoft bleibt teilweise im Einsatz

Ein vollständiger Abschied von Microsoft ist jedoch nicht vorgesehen. Die in der Verwaltung genutzten Windows-PCs sollen vorerst nicht durch Linux-Rechner ersetzt werden. Dieser Schritt habe aktuell keine Priorität, so Anschütz.

Datenschutzbeauftragter begrüßt den Kurs

Unterstützung kommt vom Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern, Sebastian Schmidt. Er begrüßte die Entscheidung des Landes. Gerade weil Verwaltungen viele, teils sehr sensible personenbezogene Daten der Bürgerinnen und Bürger verarbeiteten, müssten diese bestmöglich vor dem Zugriff Dritter geschützt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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