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Plötzlich überall? Schon 15.000 Gottesanbeterinnen

Kaum zu sehen, extrem schnell: Warum die Gottesanbeterin plötzlich überall auftaucht – und was sie so faszinierend macht.

22.08.2026, 06:00 Uhr

Die Europäische Gottesanbeterin war in Deutschland lange eine Seltenheit, inzwischen breitet sie sich jedoch rasant aus. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) sind seit Anfang Juli auf einem Online-Meldeportal bereits mehr als 15.000 Sichtungen durch Bürgerinnen und Bürger eingegangen, Stand Mitte August. Damit liegen die Zahlen schon jetzt deutlich über dem gesamten Vorjahr.

Die auffällige Fangschrecke, wissenschaftlich Mantis religiosa, ist vor allem wegen ihres drastischen Paarungsverhaltens bekannt. Etwa jedes dritte Männchen überlebt die Fortpflanzung demnach nicht, weil es vom größeren Weibchen gefressen wird. Weibchen erreichen eine Länge von bis zu acht Zentimetern, Männchen werden etwa sechs Zentimeter groß.

Obwohl die Meldungen auf Fotos und Einschätzungen von Laien beruhen, ist die Trefferquote bei der Bestimmung laut Nabu außergewöhnlich hoch. Wegen des markanten Aussehens würden 99,9 Prozent der eingesandten Bilder richtig zugeordnet.

Mittlerweile auch in Berlin häufig zu entdecken

Früher war die Gottesanbeterin in Deutschland fast nur am Kaiserstuhl im Südwesten heimisch. In den vergangenen Jahren hat sie sich aber stark ausgedehnt. Nabu-Experte Helge May sieht darin vor allem eine Folge steigender Temperaturen: Die von den Weibchen abgelegten Eipakete brauchen Wärme, um sich gut entwickeln zu können. Der entscheidende Treiber sei dabei der Klimawandel.

Nach Nabu-Angaben gibt es heute zahlreiche Vorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Daneben hat sich ein weiteres Verbreitungsgebiet von Thüringen bis in die Lausitz und weiter bis nach Berlin entwickelt. Laut Nabu Berlin kann man dem Insekt inzwischen mit etwas Glück in der ganzen Hauptstadt begegnen, etwa auf Brachen, Schuttflächen oder an sonnigen Wegesrändern.

Perfekt getarnt und extrem schnell

Mit ihrer meist grünen oder braunen Färbung ist die Gottesanbeterin hervorragend an ihre Umgebung angepasst. Das hilft ihr bei der Jagd auf Heuschrecken, Spinnen und Fliegen. Oft verharrt sie lange völlig reglos, um sich ihrer Beute dann beinahe unmerklich zu nähern.

Für den Angriff ist sie bestens ausgerüstet: Ihre kräftigen Fangarme tragen zahlreiche Dornen und schnellen in atemberaubender Geschwindigkeit zu. Ist ein Beutetier erst einmal gepackt, gibt es kaum ein Entkommen. Der eigentliche Fangschlag dauert nur 50 bis 60 Millisekunden und ist damit ungefähr sechsmal schneller als ein menschlicher Lidschlag. Für Menschen ist die Gottesanbeterin jedoch ungefährlich.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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