Bayern

Droht das Aus für Züge jenseits der Metropolen?

Droht der Bahn auf dem Land das Aus? Bayerns Verkehrsminister warnt: Der Konkurrenzkampf könnte Regionalzüge ausbremsen.

06.07.2026, 17:24 Uhr

Der zunehmende Wettbewerb im Fernverkehr könnte nach Einschätzung von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) negative Folgen für den Bahnverkehr außerhalb der Ballungsräume haben. In München kritisierte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, dass neue Anbieter vor allem wirtschaftlich attraktive Verbindungen zwischen deutschen Großstädten ins Visier nähmen und dabei ländliche Regionen vernachlässigt würden. Eine solche Konzentration auf rentable Strecken dürfe nicht dazu führen, dass andere Gebiete abgehängt werden. Aus seiner Sicht müsse der Fernverkehr verpflichtet werden, auch Regionen abseits der Metropolen anzubinden.

Appell an die Bundesnetzagentur

Bernreiter forderte die Bundesnetzagentur auf, bei der Zulassung neuer Fernverkehrsanbieter auch die Bedürfnisse des ländlichen Raums stärker zu berücksichtigen. Nötig sei ein verlässliches System, das Bahnverbindungen in der Fläche sichere statt zusätzliche Probleme zu schaffen. Entscheidend sei nicht nur mehr Konkurrenz im Fernverkehr, sondern ein Gesamtkonzept, das auch die Rechte der Fahrgäste wahre.

Zugleich sieht er den Bund in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass nicht nur Metropolen, sondern auch kleinere und mittlere Städte gut an das Schienennetz angebunden bleiben. Besonders wichtig sei ihm, dass der Nahverkehr nicht benachteiligt werde, sondern Vorrang erhalte. Bernreiter kündigte an, das Thema bei der Verkehrsministerkonferenz im Herbst auf die Tagesordnung zu setzen.

Sorge um den Nahverkehr

Anders als die Bundesnetzagentur befürchtet Bernreiter, dass neue Anbieterstrukturen den Schienenpersonennahverkehr ins Hintertreffen geraten lassen könnten. Das deutsche Schienennetz sei bereits heute stark ausgelastet. Derzeit erhalte in der Regel derjenige den Zuschlag für eine Trasse, der den höchsten Preis zahle — und das sei meist der Fernverkehr.

Nach Ansicht des Ministers muss das Schienennetz als öffentliches Gut im Interesse aller möglichst sinnvoll genutzt werden. Da der Nahverkehr zur öffentlichen Grundversorgung gehöre, müsse er beim Zugang zur Infrastruktur bevorzugt behandelt werden. Für Bernreiter gilt dabei der Grundsatz: Der Nutzen für die Fahrgäste müsse wichtiger sein als die Gewinnorientierung. Falls erforderlich, solle der Bund sogar Fernverkehrshalte verbindlich festlegen.

Flexible Tickets sollen erhalten bleiben

Ein weiterer zentraler Punkt ist aus Bernreiters Sicht der Schutz der Fahrgäste. Mehr Wettbewerb dürfe nicht dazu führen, dass Reisende bei Tickets schlechter gestellt werden. Er sprach sich für klare Regeln aus, damit Passagiere weiterhin von flexiblen Fahrkarten profitieren können und Zugbindungen bei Störungen aufgehoben werden.

Auch in einem Markt mit mehr Anbietern müsse es möglich bleiben, durchgängige Tickets zu buchen — sowohl zwischen verschiedenen Fernverkehrsunternehmen als auch im Zusammenspiel von Fern- und Nahverkehr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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