Die außergewöhnliche Hitze und die anhaltende Dürre haben der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Greenpeace Schäden von mindestens 36 Milliarden Euro verursacht. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation entspricht das rund 0,8 bis 0,9 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. In die Schätzung flossen unter anderem Einbußen durch schlechte Ernten, Waldbrände, gesundheitliche Folgen, Produktivitätsverluste sowie Belastungen im Bildungsbereich ein.
"Ein Weiter-so ist nicht bezahlbar"
Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas sprach von einem katastrophalen Sommer — sowohl für viele Menschen als auch für die Volkswirtschaft. Zwar hinterlasse diese Naturkatastrophe keine sichtbaren Trümmerfelder, das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden sei dennoch alarmierend. Vargas forderte die Bundesregierung auf, bei ihrer Kabinettsklausur mit der nötigen Konsequenz auf die Klimakrise zu reagieren. Die Zahlen zeigten deutlich, dass ein Festhalten am bisherigen Kurs keine Option mehr sei.
Greenpeace weist allerdings darauf hin, dass es sich um eine Annäherung handelt. Wegen lückenhafter Daten seien gewisse Ungenauigkeiten unvermeidbar gewesen. Dennoch sei eine solche Schätzung sinnvoll, da das Weglassen dieser Schäden die tatsächliche Dimension der Naturkatastrophe noch stärker verschleiern würde. Ziel sei es, die gesamtwirtschaftliche Größenordnung plausibel abzubilden.
Die lange Trockenperiode dürfte die Ernten in mehreren Regionen Deutschlands spürbar verringern. Auch die Binnenschifffahrt war betroffen: Aufgrund extrem niedriger Pegelstände musste der Verkehr auf manchen Strecken zeitweise ausgesetzt werden. Besonders hart traf dies Branchen mit hohem Bedarf an Rohstoffen und Vorprodukten, etwa die Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsstunden, die wegen der hohen Temperaturen ausgefallen sein sollen.
"Die tatsächlichen Kosten liegen noch höher"
Den größten Posten sieht Greenpeace bei den hitzebedingten Einbußen am Arbeitsplatz. Bei geschätzt 25 Hitzetagen summierten sich Produktivitätsverluste und Arbeitsausfälle demnach auf rund 10,8 Milliarden Euro. Danach folgen Waldschäden mit etwa 5 bis 7,5 Milliarden Euro sowie gesundheitlich bedingte wirtschaftliche Ausfälle in Höhe von rund 6,9 Milliarden Euro. Auch Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und Bildungsbereich seien erheblich beeinträchtigt worden.
Nach Einschätzung der Organisation lassen sich manche gravierenden Folgen bislang noch gar nicht verlässlich beziffern. Dazu zählen etwa Belastungen des Energiesystems durch fehlendes Kühlwasser oder zusätzliche Schäden durch erhöhte Ozon- und Feinstaubwerte infolge der Hitze. Vargas betonte deshalb, dass die tatsächlichen Kosten eines solchen Extremsommers deutlich über den bisherigen Berechnungen liegen dürften. Vor diesem Hintergrund wirkten Investitionen in einen entschlossenen Klimaschutz vergleichsweise gering.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber