Wirtschaft

KI-Agenten: Deutschland gehört plötzlich zur Weltspitze

Schon fast jeder Zweite nutzt KI-Agenten im Job – doch genau das schürt neue Angst um den Arbeitsplatz. Was jetzt droht.

01.10.2026, 05:00 Uhr

Deutschland zählt bei autonomen KI-Systemen zur Weltspitze

Beschäftigte in Deutschland nutzen autonome Systeme mit Künstlicher Intelligenz im internationalen Vergleich besonders häufig. Unter den großen Industrienationen liegt Deutschland laut dem "Work Relationship Index 2026" von HP dabei nur hinter den USA. Demnach verwendet bereits knapp die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hierzulande, nämlich 49 Prozent, sogenannte KI-Agenten im Arbeitsalltag. Gleichzeitig wächst aber auch die Sorge, durch den technologischen Wandel beruflich unter Druck zu geraten.

KI-Agenten sind deutlich weiter als klassische Chatbots

Anders als herkömmliche generative KI-Chatbots erledigen KI-Agenten komplexe Abläufe eigenständig und treffen auch Entscheidungen in betrieblichen Prozessen. Über alle Büroberufe hinweg nutzen 45 Prozent der Beschäftigten solche Anwendungen. Besonders verbreitet ist die Technik in der IT und auf Führungsebene: Unter IT-Entscheidern liegt der Anteil bei 64 Prozent, bei Führungskräften bei 63 Prozent.

Insgesamt ist die regelmäßige Nutzung von KI-Tools, die von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen – von 32 auf 49 Prozent.

Hohe Nutzung, aber auch wachsende Ängste

Trotz der starken Verbreitung ist die Entwicklung von Unsicherheit begleitet. Gerade jene, die bereits intensiv mit KI-Agenten arbeiten, sorgen sich besonders um ihre berufliche Zukunft. 43 Prozent dieser Nutzergruppe befürchten, durch KI selbst oder durch Kolleginnen und Kollegen mit besseren KI-Kenntnissen verdrängt zu werden. Bei Beschäftigten, die nur klassische Text- oder Bild-KI einsetzen, liegt dieser Wert mit 27 Prozent deutlich niedriger.

Arbeiten am Laptop
Die KI-Nutzung nimmt immer weiter zu. Quelle: Annette Riedl/dpa

Ebenso viele, also 43 Prozent der Agenten-Nutzer, gehen davon aus, dass ihr eigenes Berufsbild in Zukunft schwerer greifbar und definierbar wird.

Unternehmen sollen Technik und Weiterbildung zusammenbringen

Adrian Müller, Vice President und Managing Director von HP Deutschland, betonte, dass KI im Berufsleben rasant an Bedeutung gewinnt. Fast die Hälfte der Büroangestellten in Deutschland nutze inzwischen täglich entsprechende Werkzeuge. Zugleich zeigten die Ergebnisse, dass mehr KI-Kompetenz den Bedarf an menschlichen Fähigkeiten nicht verringere. Im Gegenteil: Anpassungsfähigkeit und kontinuierliches Lernen würden immer wichtiger. Unternehmen seien daher gefordert, Arbeit mit Technologie zu erleichtern und ihre Beschäftigten gezielt weiterzubilden.

Viele halten aus Vorsicht am aktuellen Job fest

Die Unsicherheit zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. 60 Prozent der Befragten erklärten, es erscheine ihnen momentan zu riskant, den aktuellen Arbeitsplatz zu verlassen. Dieses Verhalten wird als "Jobhugging" bezeichnet.

Vor allem Jüngere setzen zusätzlich auf Absicherung: In der Generation Z hat fast ein Drittel ein zweites berufliches Standbein. 32 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe gehen einer Nebentätigkeit nach, um mögliche Risiken im Erwerbsleben abzufedern.

Zufriedenheit im Job steigt nur leicht

Die allgemeine Beziehung zur Arbeit hat sich der Studie zufolge nur geringfügig verbessert. 21 Prozent der Büroangestellten in Deutschland berichten von einem gesunden Verhältnis zu ihrem Beruf. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch befinden sich nach den Kriterien der Untersuchung weiterhin 38 Prozent in einer kritischen Zone.

Für den weltweiten "HP Work Relationship Index" wurden zwischen dem 15. April und dem 20. Mai 2026 insgesamt 19.506 Büroangestellte in 15 Ländern befragt, darunter Wissensarbeiter, IT-Entscheider und Führungskräfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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