Wirtschaft

IW-Studie: Warum Selbstnutzer draufzahlen

Krasser Immobilien-Nachteil: Wer in Deutschland selbst kauft und einzieht, fährt laut IW viel schlechter als Vermieter.

04.07.2026, 14:21 Uhr

Wer in Deutschland eine Eigentumswohnung oder ein Haus selbst bewohnt, ist steuerlich deutlich schlechter gestellt als Vermieter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach kann der Nachteil bei einer für 300.000 Euro gekauften Wohnung in einer Großstadt, die vom Eigentümer selbst genutzt wird, innerhalb von 15 Jahren rund 87.000 Euro betragen.

Die Studie zeigt außerdem Unterschiede bei der Rendite: Während Vermieter in dem Beispiel auf knapp neun Prozent kommen, erreichen Selbstnutzer nur etwa sechs Prozent. Ausschlaggebend ist vor allem das Steuerrecht. Vermieter dürfen ihre Immobilie abschreiben und Ausgaben wie Zinsen für Kredite oder Kosten für Instandhaltung steuerlich ansetzen. Eigentümer, die selbst in ihrer Immobilie wohnen, haben diese Möglichkeiten nicht. In Regionen außerhalb der Metropolen beziffert das IW den steuerlichen Nachteil noch auf etwa 40.000 bis 50.000 Euro.

Deutschland fällt im Europa-Vergleich aus dem Rahmen

Für die Untersuchung wurde Deutschland mit sechs weiteren europäischen Ländern verglichen, darunter Frankreich, Österreich und die Niederlande. In allen herangezogenen Staaten wird selbst genutztes Wohneigentum steuerlich eher unterstützt – etwa durch geringere Kaufnebenkosten für Eigennutzer oder durch eine stärkere steuerliche Belastung von Vermietung.

In Deutschland ist die Situation laut IW umgekehrt: Vermieter erzielen hier mit durchschnittlich rund sieben Prozent die höchste Rendite unter den untersuchten Ländern. Selbstnutzer schneiden dagegen am schlechtesten ab.

Eigentumsquote in Deutschland besonders niedrig

Nach Ansicht der Autoren spiegelt sich das auch in der Eigentumsquote wider. Innerhalb der Europäischen Union gibt es kein Land, in dem anteilig so wenige Menschen im eigenen Zuhause leben wie in Deutschland. Für das Jahr 2022 nennt die Studie eine Quote von 44 Prozent. Im EU-Durchschnitt liegt sie bei ungefähr 70 Prozent.

IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer betonte, Wohneigentum sei zugleich Vermögensbildung und Absicherung fürs Alter. Ein Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer könne ein geeignetes Mittel sein, um den Erwerb von Wohneigentum zu fördern. Viele Menschen wollten ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung, doch der Staat erschwere diesen Schritt hierzulande stärker als in vielen anderen europäischen Ländern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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