Wirtschaft

Trotz Iran-Konflikt: LNG-Anteil an Gasimporten steigt

Deutschlands LNG-Boom hält an – doch der Iran-Konflikt wirbelt den Gasmarkt auf. Was das jetzt für deutsche Terminals bedeutet.

04.07.2026, 04:30 Uhr

Anteil von LNG an deutschen Gasimporten steigt trotz Iran-Konflikts

Der Anteil von Flüssigerdgas, das über deutsche LNG-Terminals eingeführt wird, ist trotz der Spannungen rund um den Iran weiter gewachsen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden im ersten Halbjahr etwa 12 Prozent der gesamten Erdgasimporte über die Anlagen an Nord- und Ostsee abgewickelt. Zuvor hatte der Anteil 2025 bei rund 10 Prozent und 2024 bei 8 Prozent gelegen.

Insgesamt importierte Deutschland demnach rund 551 Terawattstunden Gas. Davon entfielen etwa 67 Terawattstunden auf LNG, das per Schiff angeliefert wurde. Im ersten Halbjahr 2025 waren es nach früheren Angaben noch rund 39 Terawattstunden bei insgesamt etwa 491 Terawattstunden Gasimporten.

Der Konflikt mit dem Iran hatte die LNG-Produktion in Katar sowie den Transport durch die Straße von Hormus deutlich beeinträchtigt. Über diese Route wird üblicherweise rund ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases verschifft.

Begrenzte Folgen für die deutsche Versorgung

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist die Bedeutung von Gaslieferungen aus dem Persischen Golf für Deutschland allerdings gering. Die Behörde verweist darauf, dass Deutschland sein LNG derzeit vor allem aus den USA bezieht. Zudem habe sich die weltweite Verflüssigung von LNG trotz der Ausfälle, insbesondere aus Katar, bereits im Mai 2026 wieder auf das Niveau des Vorjahres erholt oder dieses leicht übertroffen.

Ganz ohne Auswirkungen blieb der Konflikt nach Angaben von Marktteilnehmern jedoch nicht. Ein Sprecher der Deutschen Regas, Betreiberin des LNG-Terminals in Mukran auf Rügen, erklärte, dass die Störungen der Schifffahrt im Zuge der Nahost-Krise zu spürbaren Veränderungen im internationalen LNG-Handel geführt hätten. Händler hätten ursprünglich für Europa bestimmte Lieferungen nach Asien umgeleitet. Davon sei auch Mukran betroffen gewesen.

Halbjahresbilanz der LNG-Terminals
Zusätzlich zu dem vorhandenen Terminalschiff soll in Zukunft noch ein zweites an Rügens Küste stationiert werden. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Höhere Auslastung an der Nordsee

Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal Gesellschaft betreibt inzwischen drei LNG-Terminals an der Nordseeküste, zwei in Wilhelmshaven und eines in Brunsbüttel. Nach Unternehmensangaben lag die durchschnittliche Auslastung dieser drei Anlagen im ersten Halbjahr bei etwa 72 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2025 hatte sie noch rund 63 Prozent betragen. Nur wenige Lieferungen seien wegen der Konkurrenz um LNG mit dem asiatischen Markt ausgefallen.

Während das Terminal in Mukran zwischenzeitlich die höchsten Einspeisemengen verzeichnet hatte, lagen im ersten Halbjahr nun die Nordsee-Terminals vorn. Das zeigen Daten der europäischen Gasinfrastruktur-Betreiber, auf die auch die Bundesnetzagentur verweist.

Demnach wurden über die DET-Terminals im ersten Halbjahr rund 54 Terawattstunden eingespeist, über Mukran etwa 13 Terawattstunden.

Betreiber planen weiteren Ausbau

Sowohl die DET als auch Deutsche Regas wollen ihre Kapazitäten erweitern. Die DET plant, im September ein weiteres schwimmendes Terminal im niedersächsischen Stade in Betrieb zu nehmen. Deutsche Regas möchte in Mukran zusätzlich zum bestehenden Terminalschiff ein zweites stationieren, nannte dafür bislang aber keinen Termin.

Deutschland hatte den Aufbau eigener LNG-Terminals nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beschleunigt, um sich von russischen Gaslieferungen unabhängiger zu machen. Vorher gab es hierzulande keine entsprechenden Anlandemöglichkeiten für per Schiff geliefertes Flüssigerdgas. Das meiste Gas kam damals über Pipelines, vor allem aus Russland. Inzwischen stammt der größte Teil der Pipeline-Lieferungen aus Norwegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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