Wirtschaft

Inflation fällt im Juni auf 2,3 Prozent

Überraschung bei den Preisen: Die Inflation in Deutschland sinkt deutlich – was das jetzt für Verbraucher bedeutet

30.06.2026, 14:03 Uhr

Die Inflation in Deutschland hat sich im Juni weiter abgeschwächt. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts lagen die Verbraucherpreise 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Mai hatte die Teuerungsrate noch 2,6 Prozent betragen, im April 2,9 Prozent.

Von Mai auf Juni gingen die Verbraucherpreise insgesamt sogar um 0,3 Prozent zurück. Damit hat der Preisdruck auf die Verbraucher zuletzt spürbar nachgelassen.

Günstigere Energie dämpft die Teuerung

Ein wesentlicher Grund für den Rückgang sind sinkende Energiepreise. Haushaltsenergie und Kraftstoffe waren im Juni zwar noch 3,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Im Mai hatte der Anstieg aber noch bei 6,6 Prozent gelegen, im April sogar bei rund 10 Prozent.

Vor allem beim Tanken machte sich die Entspannung bemerkbar. Nach dem Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs waren die Preise an den Zapfsäulen zunächst stark gestiegen. Zuletzt fiel der Preis für ein Barrel Brent-Öl jedoch wieder auf rund 74 Dollar und lag damit ungefähr auf dem Niveau vor den Kämpfen im Nahen Osten. Zwischenzeitlich hatte Rohöl mehr als 110 Dollar gekostet.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, die Inflation sei im Juni vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises zurückgegangen. Für Juli rechnet er allerdings wieder mit einem Anstieg, weil der Tankrabatt ausläuft.

Auch bei KfW Research wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Ökonomin Stephanie Schoenwald sagte, mit der Beruhigung im Nahen Osten ebbe der Inflationsschock ab. Zugleich bleibe die Lage im Persischen Golf jedoch fragil.

Tankrabatt wirkte inflationsdämpfend

Die Bundesregierung hatte im Mai einen Tankrabatt eingeführt, um Verbraucher und Unternehmen bei den Spritkosten zu entlasten. Dadurch sank die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter. Nach Einschätzung der Bundesbank drückte die Maßnahme die Inflation um etwa 0,25 Prozentpunkte und hatte bereits im Mai die Teuerungsrate deutlich gebremst. Die Subvention endet an diesem Dienstag.

Daten des ADAC zeigen, dass Kraftstoffe im Juni deutlich günstiger waren als im Mai: Super E10 kostete in den ersten 29 Tagen des Monats im Schnitt knapp 6 Prozent weniger, Diesel sogar knapp 9 Prozent. Neben dem Tankrabatt spielte dabei auch der Rückgang der Ölpreise eine Rolle. Nach einer Ifo-Analyse wurde der Rabatt allerdings vor allem bei Diesel nur begrenzt an die Verbraucher weitergegeben.

Optimistischer äußerte sich Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Sollte die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran halten, dürfte sich nach ihrer Einschätzung selbst das Ende des Tankrabatts im Juli wegen der inzwischen niedrigeren Rohölpreise nur wenig auf die Inflation auswirken.

Lebensmittel und Dienstleistungen bleiben teuer

Während sich Energie verbilligte, stiegen andere Preise weiter. Nahrungsmittel verteuerten sich im Juni um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit genauso stark wie im Mai. Dienstleistungen wie Restaurantbesuche oder Reisen kosteten erneut 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Schoenwald warnt allerdings, dass die zuletzt sehr günstige Entwicklung bei Lebensmitteln bald enden könnte. Als Risiken nennt sie negative Klimafolgen, hohe Düngerpreise und einen sich abzeichnenden starken El Niño.

Volkswirte fürchten zudem, dass Unternehmen höhere Energie- und Transportkosten zeitverzögert an ihre Kunden weitergeben könnten. Dadurch könnten vor allem Lebensmittel und Dienstleistungen weiter teurer werden. Auch die Importpreise sind zuletzt kräftig gestiegen: Im Mai legten sie so stark zu wie seit Ende 2022 nicht mehr. Zugleich zeigen Ifo-Daten, dass mit neuer Hoffnung im Iran-Krieg weniger Firmen Preiserhöhungen planen.

Krieg belastet Verbraucher und Konjunktur

Der Krieg im Iran sorgt weiter für Unsicherheit, verunsichert Verbraucher und belastet den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der Konjunktur ist. Der Sachverständigenrat rechnet für dieses Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,0 Prozent, nach 2,2 Prozent im Jahr 2025.

Steigende Preise schmälern die Kaufkraft, weil Verbraucher sich für ihr Geld weniger leisten können. Zwar hat sich die Teuerung nach der Preiswelle infolge des Ukraine-Kriegs abgeschwächt, viele Preise bleiben aber auf hohem Niveau.

EZB könnte Zinsen weiter anheben

Mit dem Ölpreisschock ist auch der Druck auf die Europäische Zentralbank gestiegen. Da die Inflation in der Eurozone dadurch deutlich anzog, hatte die EZB die Leitzinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren erhöht. Sie erwartet, dass ihr Inflationsziel von 2 Prozent erst 2028 wieder erreicht wird. EZB-Direktorin Isabel Schnabel stellte zuletzt weitere Zinserhöhungen in Aussicht.

Höhere Zinsen können Kredite verteuern und so die Nachfrage sowie die Inflation dämpfen. Gleichzeitig belasten sie jedoch die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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