Wirtschaft

Jetzt wird’s eng: Bahn muss Rivalen auf die Trasse lassen

Bahn-Schock: Die DB muss auf Top-Strecken 25% abgeben – bringt Italo 2028 endlich mehr Konkurrenz im Fernverkehr?

30.06.2026, 13:30 Uhr

Die Deutsche Bahn muss im Fernverkehr auf besonders stark ausgelasteten Strecken künftig einen spürbaren Teil ihrer Kapazitäten an Wettbewerber abgeben. Das geht aus einem veröffentlichten Beschluss der Bundesnetzagentur hervor. Demnach muss die Infrastrukturtochter DB InfraGo auf solchen Strecken 25 bis 40 Prozent der Kapazitäten an andere Unternehmen als die Fernverkehrssparte der Bahn vergeben.

Fahrgäste sollen von mehr Wettbewerb profitieren

Die Bundesnetzagentur verbindet die Entscheidung mit der Erwartung, dass mehr Konkurrenz im Fernverkehr den Reisenden zugutekommt. Aus Sicht der Behörde könnten dadurch Ticketpreise sinken.

Mit dem Beschluss erfüllt die Behörde eine zentrale Forderung des italienischen Zuganbieters Italo, der seinen Einstieg in den deutschen Markt für 2028 vorbereitet. Geplant sind zunächst Verbindungen München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt sowie München–Berlin–Hamburg im Zweistundentakt.

Beide Achsen gelten als besonders attraktiv, weil sie wichtige und teils stark überlastete Verkehrsknoten miteinander verbinden. Italo will dafür 30 Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen und ab Frühjahr 2028 täglich 56 Zugverbindungen anbieten.

Netzagentur sieht mehr Planungssicherheit für neue Anbieter

Nach Angaben von Behördenchef Klaus Müller müssen Wettbewerber wie Italo oder FlixTrain hohe Summen in neue Züge investieren, konnten bislang aber nicht verlässlich einschätzen, ob sie ausreichend Nutzungsrechte auf der Schiene erhalten. Die nun beschlossene Wettbewerbsklausel solle ein Mindestmaß an Zugang für Wettbewerber im vertakteten Fernverkehr sichern, ohne andere Verkehrsarten zu verdrängen.

Wer in Deutschland Fernzüge fahren will, braucht sogenannte Trassen – also fest zugewiesene Strecken zu bestimmten Zeiten. Diese werden von DB InfraGo vergeben. Weil die Kapazitäten auf der Schiene begrenzt sind, kommt es vor allem an Knoten wie Hamburg, Berlin oder Köln regelmäßig zu Engpässen.

Deutsche Bahn warnt vor Folgen für die Fläche

Der Fernverkehr in Deutschland wird bislang zu rund 95 Prozent von der Deutschen Bahn dominiert. Größter Konkurrent ist derzeit FlixTrain. Die Bundesnetzagentur will mit ihrer Entscheidung erreichen, dass Wettbewerber auf überlasteten Strecken künftig mehr Chancen erhalten.

Die Deutsche Bahn hatte in der Vergangenheit vor einem solchen Eingriff in den Fernverkehrsmarkt gewarnt. Nach Darstellung des Konzerns werden mit den Erlösen auf stark nachgefragten Schnellfahrstrecken Angebote in weniger stark frequentierten Regionen mitfinanziert.

Müsste die Bahn rentable Trassen abgeben, könnten Verbindungen in der Fläche wegfallen, argumentiert der Konzern. Wettbewerber wie Italo oder Flix würden sich vor allem auf besonders lukrative Hauptachsen konzentrieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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