Wirtschaft

Leere Büros? So kassieren Investoren Fördergeld

Leeres Kaufhaus, verwaister Büroturm: Jetzt kommt der überraschende Plan der Bauministerin – und er könnte Innenstädte verändern.

30.06.2026, 11:31 Uhr

Ab Mittwoch, 1. Juli, können Bauherren Fördermittel für die Umwandlung leerstehender Gewerbeimmobilien in Wohnungen beantragen. Für jede neu entstehende Wohneinheit sind bis zu 30.000 Euro Zuschuss möglich. Pro Investor ist die Förderung auf 300.000 Euro begrenzt.

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sagte in Berlin, der Bund stelle dafür insgesamt 300 Millionen Euro bereit. Ziel sei es, ungenutzten Büro- und Gewerbegebäuden eine zweite Chance zu geben und zugleich neuen Wohnraum zu schaffen.

Das bereits im April angekündigte Programm „Gewerbe zu Wohnen“ ist damit offiziell startklar. Gefördert werden kann unter anderem der Umbau leerer Büros und Ladenflächen, aber auch nicht mehr genutzter Gebäude wie etwa einer alten Dorfgrundschule. Hubertz betonte, viele dieser Immobilien seien einst voller Leben gewesen und stünden heute still, obwohl vielerorts Wohnungen fehlten.

Nach Angaben der Ministerin sind derzeit mehr als zwölf Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt. Eine Umnutzung könne Ressourcen schonen und zugleich neues Leben in Innenstädte und Ortskerne bringen.

In Berlin informierte sich Hubertz über den Umbau eines lange leerstehenden Gebäudes im Zentrum, in dem früher der Berliner Rundfunk untergebracht war. Dort sollen künftig Menschen zu bezahlbaren Preisen wohnen können.

Potenzial für Tausende Wohnungen

Fachleute sehen in leerstehenden Büroflächen weiterhin großes Potenzial. Frühere Berechnungen des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL) kamen allein in den sieben größten deutschen Städten auf rund 11.000 mögliche Wohnungen. Das Ifo-Institut hielt 2024 sogar bis zu 60.000 Wohnungen in diesen Metropolen für denkbar.

Allerdings gibt es erhebliche Hürden. Nach Einschätzung des Ifo rechnet sich ein Umbau in vielen Fällen wirtschaftlich nicht, weil die Flächen oft für ganz andere Zwecke geplant wurden und aufwendig umgebaut werden müssen. Hinzu kommen die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Baukosten.

Außerdem ist nicht jedes Bürogebäude automatisch ein guter Wohnstandort. Problematisch kann es werden, wenn in der Umgebung Schulen, Kitas, Nahverkehr, Geschäfte oder Grünflächen fehlen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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