Wirtschaft

Blackout-Angst: Verbraucher fürchten Strom-Angriffe

Nach Angriffen aufs Stromnetz wächst die Angst: Warum sich viele Deutsche plötzlich nicht mehr sicher fühlen, zeigt eine Studie.

30.06.2026, 12:09 Uhr

Fast drei Viertel der Menschen in Deutschland sehen die Stromversorgung im eigenen Land als verwundbar an – etwa durch Sabotage, gezielte Angriffe oder Cyberattacken. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor. Nur 26 Prozent der Befragten meinen, Deutschland sei auf einen länger andauernden Stromausfall gut vorbereitet. Die eigene Vorsorge schätzen viele jedoch positiver ein: 47 Prozent sagen, sie selbst seien für einen solchen Fall gut gerüstet.

Sicherheit gleichrangig mit Klima und Kosten

Für die große Mehrheit hat Versorgungssicherheit beim Umbau des Energiesystems oberste Bedeutung. 93 Prozent finden, dass Sicherheit beim Fortschritt der Energiewende genauso wichtig sein sollte wie Klimaschutz und bezahlbare Preise.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder betonte, dass digitale Technologien beim Schutz der Energieinfrastruktur unverzichtbar seien. Stromnetze mit einer Länge von vielen Tausend Kilometern könnten ohne digitale Überwachung und wirksame Maßnahmen zur Cybersicherheit weder zuverlässig geschützt noch stabil betrieben werden.

Hohe Zuverlässigkeit, aber wachsende Sorgen

Nach Einschätzung Rohleders verfügt Deutschland zwar über eine sehr stabile Stromversorgung. Dennoch hätten aktuelle Ereignisse gezeigt, dass die Netze besser abgesichert werden müssten. Die Sorge vor einer Krise sei in der Bevölkerung deutlich spürbar: 46 Prozent befürchten einen Stromausfall von mehreren Stunden am eigenen Wohnort. Tatsächlich berichteten jedoch nur 17 Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten einen Ausfall von mindestens fünf Minuten erlebt zu haben.

Diese Einschätzung deckt sich laut Bitkom mit den Werten des sogenannten System Average Interruption Duration Index (SAIDI), der die durchschnittliche Dauer von Stromunterbrechungen pro Verbraucher erfasst. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland demnach gut ab. Während in Ländern wie den USA die durchschnittlichen Ausfallzeiten regelmäßig deutlich über 100 Minuten pro Jahr liegen, bewegt sich Deutschland ähnlich wie Südkorea und Japan nur im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Minutenbereich.

Unzufriedenheit mit dem Tempo der Energiewende

Trotz der insgesamt stabilen Netze ist die Stimmung gegenüber der Energiepolitik kritisch. 72 Prozent der Befragten finden, dass die Energiewende in Deutschland insgesamt zu langsam vorankommt. Angesichts steigender Kosten für Energie und Kraftstoffe fordern 92 Prozent zudem, dass Deutschland schneller unabhängig von Öl und Gas werden müsse.

Rohleder erklärte, es genüge nicht, allein neue Windkraftanlagen oder Speicher aufzubauen. Auch die Abläufe dahinter müssten umfassend digitalisiert werden – von Genehmigungen bis hin zur Steuerung der Netze. Als wichtige Bausteine eines zukunftsfähigen Stromsystems nannte er intelligente Stromzähler, also Smart Meter, sowie flexible Stromtarife.

Die Bereitschaft der Verbraucher dafür ist laut Umfrage groß: 90 Prozent würden ihren Stromverbrauch an aktuelle Preise anpassen, um Kosten zu sparen. 85 Prozent wären zudem offen dafür, Geräte wie Waschmaschinen oder Elektroautos automatisch dann zu nutzen oder zu laden, wenn durch viel Wind- und Solarstrom gerade besonders günstige Preise im Netz herrschen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen