Wirtschaft

Immer mehr Pakete einfach vor der Tür

Paket einfach vor die Tür? Klingt praktisch – doch wer das erlaubt, könnte am Ende auf dem Schaden sitzen.

26.09.2026, 05:00 Uhr

In Deutschland lassen immer mehr Verbraucher Pakete mit einer Abstellgenehmigung direkt am Wohnort hinterlegen. Wer diese Option nutzt, findet die Sendung bei der Rückkehr oft schon vor der Tür und muss sie nicht mehr in einem Paketshop, an einer Packstation oder bei Nachbarn abholen.

Deutlich mehr Vereinbarungen für Ablageorte

DHL kommt nach eigenen Angaben inzwischen auf mehr als zehn Millionen dauerhafte Vereinbarungen zu Ablageorten in Deutschland. Das sind rund zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Ein ähnlich starkes Wachstum habe es auch in den Jahren zuvor gegeben.

Hermes berichtet seit August 2025 von einem Anstieg der Abstellgenehmigungen um 30 Prozent, nennt jedoch keine absolute Zahl. Auch GLS und DPD bieten diesen Service an und sprechen von einem stabilen Anteil bei der Nutzung.

Nach dem Ablegen trägt der Empfänger das Risiko

Bei einer solchen Vereinbarung erlaubt der Empfänger im Voraus, dass das Paket etwa vor der Haustür, im Garten oder im Carport abgelegt wird. Wichtig ist dabei: Sobald der Zusteller die Sendung dort hinterlegt hat, endet in der Regel die Absicherung. Wird das Paket gestohlen, bleibt der Empfänger auf dem Schaden sitzen.

Nach Angaben von DHL ist das Risiko in der Praxis aber offenbar überschaubar. Die Zahl der Reklamationen sei bei abgelegten Paketen nicht höher als bei anderen Sendungen. GLS rät dennoch ausdrücklich dazu, nur Orte auszuwählen, die aus Sicht der Empfänger wirklich sicher sind. Problematisch seien vor allem Stellen, die öffentlich zugänglich sind.

Paketzustellung
Ein Treppenhaus in einem Mietshaus mit abgelegten Paketen vor der Tür – das kann gutgehen, muss aber nicht. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Welche Orte geeignet sind

DHL empfiehlt, den Ablageort auf dem eigenen Grundstück festzulegen. Er sollte möglichst vor Regen geschützt und von außen nicht einsehbar sein. Auch Amazon, das einen Teil seiner Pakete mit einem eigenen Zustelldienst ausliefert, warnt davor, Sendungen an Plätzen abzulegen, die für Unbefugte sichtbar sind. Zahlen zur Nutzung solcher Genehmigungen nennt Amazon nicht.

Besonders beliebt ist die Option laut DHL in Wohngegenden mit Einfamilienhäusern und in ländlichen Regionen. Doch auch in Städten wächst das Interesse. Dort kommen zum Beispiel Innenhöfe oder Fahrradschuppen von Mehrfamilienhäusern als Ablageorte infrage. Laut DHL-Manager Benjamin Rasch gehört der Ablageort inzwischen zu den beliebtesten Empfangsoptionen.

Dauerhaft oder nur für ein Paket

Die Genehmigung kann entweder dauerhaft hinterlegt oder nur für eine einzelne Sendung erteilt werden. DPD zufolge wird derzeit etwa ein Viertel der B2C-Sendungen auf Grundlage einer solchen Abstellgenehmigung zugestellt. Seit Anfang 2025 habe sich dieser Anteil kaum verändert.

GLS teilt mit, über rund zwei Millionen dauerhafte Abstellgenehmigungen zu verfügen. Etwa 1,5 Millionen davon würden regelmäßig genutzt. Im Jahr 2025 sowie im bisherigen Verlauf von 2026 seien rund 15 Prozent aller Zustellungen des Unternehmens auf diese Weise erfolgt.

Vorteil auch für die Paketdienste

Nicht nur Kunden profitieren von dem Modell, auch die Zusteller sparen Zeit. Wenn ein Paket ohne Klingeln und Warten abgelegt werden kann, verkürzt sich die Zustellzeit pro Sendung. Außerdem entfallen zusätzliche Fahrten, etwa wenn niemand zu Hause ist und das Paket am nächsten Tag erneut zugestellt werden müsste.

GLS erklärt, Abstellgenehmigungen machten die Zustellung einfacher, erhöhten die Erfolgsquote und verhinderten unnötige Zusatzfahrten. Dadurch könnten die Abläufe effizienter gestaltet werden. Amazon betont, viele Kunden bevorzugten eine Ablage an einem sicheren Ort gegenüber einem weiteren Zustellversuch an einem anderen Tag.

Grenzen bei wertvollen Sendungen

Allerdings ist die Funktion nicht für jede Ware gedacht. Hermes weist darauf hin, dass Händler die Ablage bei besonders wertvollen oder sensiblen Produkten ausschließen können, um die Sicherheit zu erhöhen.

Bei Amazon fertigen Zusteller nach dem Ablegen ein Foto des Pakets an, das in der App sichtbar ist. So können Kunden direkt nachvollziehen, wo die Sendung liegt. Auch DPD setzt auf diese Fotodokumentation. DHL und Hermes verzichten bislang darauf, während GLS nach eigenen Angaben an einer solchen Lösung arbeitet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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