Doris Dörrie kann sich Pflege durch KI gut vorstellen
Die Regisseurin Doris Dörrie steht der Idee eines Pflegeroboters offen gegenüber. Im Gespräch mit der dpa sagte die 71-Jährige, sie halte es für gut vorstellbar, dass Künstliche Intelligenz helfen könne, Einsamkeit im Alter zu lindern. Alt und krank zu sein und auf Pflege angewiesen zu werden, sei oft belastend. Wenn ein Roboter mit KI diese Bürde wenigstens etwas erleichtern könne, spreche aus ihrer Sicht nichts dagegen.
Ein Roboter zum Diskutieren, Vorlesen und Spielen
Dörrie hat auch klare Wünsche an einen solchen Helfer. Er sollte mit ihr über politische Themen sprechen können und ihr zugleich Literatur vorlesen — etwa russische oder französische Klassiker. Besonders nannte sie die Werke von Émile Zola, die sie selbst nicht alle gelesen habe. Außerdem würde sie gern mit einem Roboter Go spielen, das in Japan sehr populäre Strategiespiel.
Dieses Motiv greift sie auch in ihrem neuen Film auf. In der Tragikomödie „Frau Winkler verlässt das Haus“ erhält eine frühere Schauspielerin, gespielt von Angela Winkler, von ihrer Tochter (Laura Tonke) einen solchen Roboter. Begeistert ist sie vor allem davon, dass die KI Theatertexte eindrucksvoll vortragen kann. Kinostart ist am 1. Oktober.
Mehr Offenheit für Alter, Krankheit und Tod
Mit dem Film möchte Dörrie nach eigenen Worten dazu anregen, offener über das Älterwerden, über Krankheit und über das Sterben zu sprechen. Wer diese Themen verdränge, vergrößere am Ende nur die Angst davor. Sie kritisiert eine Gesellschaft, die schon bei den ersten Falten mit großer Unsicherheit reagiere und teils früh zu Botox greife. Ebenso skeptisch sieht sie den aktuellen Trend rund um Langlebigkeit und Selbstoptimierung — also die Vorstellung, man könne mit den richtigen Übungen und Nahrungsergänzungsmitteln Alter, Krankheit und Tod einfach vermeiden.

Kritik an der Pflegesituation
Für ihr eigenes Lebensende wünscht sich Dörrie einen würdevollen Tod: begleitet, möglichst ohne Schmerzen und mit guter Versorgung. Gleichzeitig beklagt sie deutliche Mängel im Pflegesystem. Es gebe zu wenige Palliativplätze, zu wenige Hospize und zu wenig finanzielle Unterstützung für Pflege. Besonders Angehörige, die zu Hause pflegen, würden nicht ausreichend entlastet. Diese Aufgabe werde nach wie vor häufig Frauen zugeschrieben, als sei es selbstverständlich, dass sie sie übernehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber