Die Unicredit ist auf dem Weg zu einer Mehrheitsbeteiligung an der Commerzbank ein gutes Stück vorangekommen. Nach Angaben der italienischen Großbank wurde ihr Übernahmeangebot bis zum Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angenommen. Zusammen mit dem bereits zuvor gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent kommt Unicredit damit nun direkt auf gut 44 Prozent an der Frankfurter Bank.
Zusätzlich sichert sich Unicredit über Kaufoptionen Zugriff auf weitere mehr als drei Prozent der Commerzbank-Anteile. Einschließlich weiterer Finanzinstrumente kommt die Bank nach eigenen Angaben insgesamt auf 47,59 Prozent.
Nur knapp an der Mehrheit vorbei
Nach Darstellung der Unicredit übertrifft das Ergebnis die eigenen Erwartungen deutlich. Der Anteil von 47,59 Prozent entspreche bereits 49,65 Prozent der Stimmrechte bei der Commerzbank, weil von der Bank gehaltene eigene Aktien nicht stimmberechtigt sind. Sollte die Commerzbank weitere eigene Aktien zurückkaufen, würde der Stimmrechtsanteil der Unicredit auf dieses Niveau steigen.
Zugleich betonte Unicredit, man wolle weiter »konstruktiv« mit allen relevanten Stakeholdern zusammenarbeiten und die erforderlichen regulatorischen sowie aufsichtsrechtlichen Prozesse vorantreiben.
Noch Hürden bis zu einer Übernahme
Damit kann Unicredit ihren Anteil über die Börse weiter ausbauen, steht dabei jedoch unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Mit der gestiegenen Beteiligung rückt eine vollständige Übernahme der Commerzbank deutlich näher.
Bereits zum 19. Juni hatte Unicredit rund 40 Prozent an der Commerzbank sowie zusätzliche Finanzinstrumente gemeldet. Zuletzt hatte das Institut zudem damit gedroht, auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2027 das Management der Commerzbank abzulösen, falls genügend Aktionäre den Kurs der Italiener unterstützen.
Für eine tatsächliche Übernahme reicht ein höherer Aktienanteil allein jedoch nicht aus. Neben weiteren verkaufsbereiten Aktionären müssten auch die Aufsichtsbehörden zustimmen — insbesondere die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.
Einfluss Schritt für Schritt ausgebaut
Unicredit war im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hatte Anfang Mai ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt. Angeboten wurden 0,485 Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Lange Zeit lag dieses Angebot rechnerisch unter dem Börsenkurs der Commerzbank. Durch den zuletzt deutlich gestiegenen Kurs der Unicredit-Aktie wurde die Offerte aber attraktiver.
Unicredit-Chef Andrea Orcel verfolgt mit dem Kauf das Ziel, eine europäische Großbank zu formen, die auch als Gegengewicht zu US-Instituten dienen soll. Er sieht dabei Einsparpotenzial in Milliardenhöhe und hält auch den Abbau von 7.000 Stellen bei der Commerzbank für möglich. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp weist eine Übernahme ebenso zurück wie der Bund.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber