Olympia

Olympia-Aus! So verzweifelt sind die Kombinierer jetzt

Olympia-Schock für die Nordische Kombination: Athleten verzweifeln – hat die Traditionssportart jetzt überhaupt noch Zukunft?

08.07.2026, 08:46 Uhr

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, die Nordische Kombination für die Winterspiele 2030 aus dem Programm zu streichen, hat in Deutschland tiefe Bestürzung ausgelöst. Bundestrainer Eric Frenzel, dreimaliger Olympiasieger, sprach von einer herben Enttäuschung, die enorm wehtue. Auch DSV-Sportdirektor Horst Hüttel nannte den Beschluss niederschmetternd. Damit endet vorerst eine 102-jährige olympische Tradition: Seit 1924 gehörte die Disziplin zu den Winterspielen – zuletzt allerdings als einzige noch komplett ohne Frauen.

Besonders eindrücklich machte Nathalie Armbruster die Stimmung in der Szene öffentlich. Deutschlands erfolgreichste Nordische Kombiniererin zeigte in einer Instagram-Story ein Schwarz-Weiß-Foto von sich, erschöpft im Ziel liegend, umgeben von Worten wie „verzweifelt“, „schockiert“, „leer“, „wütend“, „sprachlos“ und „traurig“. Die 20-Jährige sagte zudem, sie sei „unglaublich fassungslos“: Man sei erschüttert, am Boden zerstört, unfassbar traurig – und zugleich auch wütend.

Für viele Athletinnen ist das Aus ein doppelter Rückschlag: Sie verlieren nicht nur die olympische Perspektive, sondern auch die Chance auf eine längst erhoffte Frauen-Premiere bei den Spielen.

Geplatzte Träume bei den Frauen

Gerade bei den Frauen sitzt die Enttäuschung besonders tief. Zuletzt hatte es noch Hoffnung gegeben, dass die Nordische Kombination 2030 in den französischen Alpen im olympischen Programm bleibt und Frauen dort erstmals um Medaillen kämpfen dürfen. Statt dieses Durchbruchs kam nun das komplette Aus der Disziplin.

Armbruster hatte bereits im Vorfeld öffentlich dafür geworben, dass niemandem die Chance genommen werden dürfe, olympische Träume zu leben – nur weil man eine Frau sei. Ihr Appell blieb ohne Erfolg.

Der geplatzte Olympia-Traum ist für Armbruster aber nur ein Teil der Sorgen. Sie machte auch deutlich, wie ungewiss ihre sportliche Zukunft nun erscheint. Viele Fragen seien offen, sagte sie – etwa, wie es weitergehe und in welchem Umfang sie ihren Sport künftig noch ausüben könne. Auch die Angst vor der Zukunft spiele nun eine große Rolle.

Auch aus dem Team kamen deutliche Reaktionen. Cindy Haasch bezeichnete die Entscheidung als „unverständlich“ und als „Schlag ins Gesicht“ für alle Beteiligten. Maria Gerboth sprach von einer „inneren Leere“. Jenny Nowak sagte, das Aus sei „sehr schockierend“ und noch gar nicht richtig zu realisieren.

Große Unsicherheit beim Nachwuchs

Johannes Rydzek, früherer Spitzenathlet und Athletensprecher im Ski- und Snowboard-Weltverband Fis, beschrieb die Reaktion als regelrechten Schock. Für die Athletinnen sei es ein schwerer Schlag, nicht aufgenommen zu werden – für die Männer, ganz aus dem olympischen Programm zu fliegen. Der zurückgetretene Athlet sagte, der Szene sei damit „der Boden unter den Füßen weggezogen“ worden. Welche langfristigen Folgen die Entscheidung haben wird, sei derzeit noch kaum abzusehen – gerade auch mit Blick auf den Nachwuchs.

Besonders kritisch ist die Lage, weil die Nordische Kombination stark von Fördergeldern und Sponsoren abhängt. Ohne die Strahlkraft der Olympischen Spiele wächst die Sorge, wie sich die Sportart finanziell und strukturell behaupten kann. DSV-Sportvorstand Andreas Schlütter rechnet offen mit Konsequenzen bei Infrastruktur und staatlicher Förderung. Trotzdem will der Deutsche Skiverband die Disziplin nicht aufgeben und weiterhin eine sportliche Perspektive bieten. Ein wichtiger nächster Meilenstein bleibt die Weltmeisterschaft 2027 in Falun.

Vor allem für junge Talente verschärft sich die Unsicherheit. Wenn olympische Ziele und damit verbundene Unterstützung wegbrechen, stellt sich für viele Nachwuchsathletinnen und -athleten die Frage, ob diese Sportart noch eine realistische Zukunft bietet.

Diskussion über die Gründe und Angst vor harten Folgen

Das IOC begründete den Schritt mit mangelnder Popularität und geringer internationaler Verbreitung. Laut den herangezogenen Studien sei die Nordische Kombination im Zeitraum von 2014 bis 2026 die unbeliebteste Wintersportart gewesen. Zudem hätten in dieser Zeit lediglich fünf Nationen Medaillen gewonnen.

Die Sorge über die Folgen reicht weit über die aktive Szene hinaus. Rodel-Olympiasieger Felix Loch kritisierte bei Instagram, dass mit solchen Entscheidungen nicht nur über Medaillen, sondern über Karrieren, Bundesstützpunkte, Trainerstellen, Nachwuchs und Existenzen entschieden werde.

Hoffnung auf eine Rückkehr 2034

Trotz des schweren Rückschlags richtet sich der Blick bereits nach vorn. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry stellte in Aussicht, dass eine Rückkehr für 2034 grundsätzlich möglich bleibt. Auch beim Weltverband Fis will man die Disziplin ausdrücklich weiter unterstützen. Generalsekretär Urs Lehmann betonte, das Olympia-Aus habe keinen Einfluss auf Weltcup und Weltmeisterschaften – im Gegenteil sei das eher ein Anlass, die Nordische Kombination noch stärker zu fördern.

Fis-Präsident Alexander Ospelt kündigte an, hart daran zu arbeiten, die Sportart 2034 wieder ins olympische Programm zu bringen. Auch Rydzek zeigte sich kämpferisch. Zwar wirke eine schnelle Rückkehr derzeit wie ein „mittelgroßes Wunder“, doch man wolle jede Möglichkeit nutzen.

Bis dahin bleibt die Lage angespannt. Für Verbände, Athletinnen, Athleten und den Nachwuchs geht es nun nicht nur um sportliche Ziele, sondern um die Zukunft einer traditionsreichen Disziplin insgesamt.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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