Wirtschaft

Fords China-Coup: Allianz mit Geely

Ford steckt in Europa fest – jetzt soll ausgerechnet ein neuer Partner aus China die Wende bringen. Was steckt hinter dem Deal?

23.07.2026, 11:50 Uhr

Ford will zusammen mit dem chinesischen Autokonzern Geely in Valencia ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Damit soll das spanische Werk besser ausgelastet und zugleich kostengünstiger betrieben werden. Geplant ist die Produktion von fünf Modellen. An der neuen Firma soll Ford 66 Prozent halten, Geely 34 Prozent. Gebaut werden sollen sogenannte Multi-Energy-Fahrzeuge, also Hybrid- und Elektroautos.

Geely ist in Europa unter anderem durch Smart bekannt, die Marke gehört je zur Hälfte Geely und Mercedes. Mit dem Schritt nach Spanien will der Konzern seine Expansion in Europa weiter beschleunigen.

Beide Unternehmen kündigten an, in Valencia eine neue Generation emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge für den europäischen Markt fertigen zu wollen. Derzeit arbeiten dort rund 4.000 Menschen für Ford. Vor etwa zehn Jahren waren es noch ungefähr doppelt so viele. Das Werk steht damit exemplarisch für den Druck auf Ford in Europa: Das Geschäft läuft seit längerer Zeit nur mäßig, der Konzern hat bereits gespart und Werke geschlossen.

Was in Valencia gebaut werden soll

Die Produktion des Ford Kuga in Valencia soll unverändert weiterlaufen. Hinzukommen soll eine europäische Version des größeren US-Geländewagens Bronco. Außerdem wollen Ford und Geely gemeinsam ein Crossover-Hybridmodell entwickeln. Dieses Fahrzeug soll auf einer Plattform von Geely basieren und 2028 als Ford-Modell auf den Markt kommen.

Geely selbst plant darüber hinaus, in Valencia zwei elektrische SUV fertigen zu lassen. Für den chinesischen Hersteller wäre das die erste Produktion in Spanien. Davon verspricht sich Geely einen besseren Zugang zum EU-Markt. Gemeinsam arbeiten beide Unternehmen bei der Produktion sowie bei der Entwicklung des neuen Crossover-Modells. Vertrieb und Markenführung bleiben dagegen getrennt.

Ford-Europachef Jim Baumbick sieht in der Kooperation ein wichtiges Signal für die Industrie in Europa. Die Partnerschaft zeige, wie sich die industrielle Basis in Europa stärken lasse. Zugleich betonte er, dass dies nicht ohne Unterstützung von Behörden und Regierungen gelingen werde. Zusammen mit Geely könne ein leistungsfähiges Werk mit erfahrenen Beschäftigten besser ausgelastet und das neue Kostenniveau der Branche erreicht werden.

Folgen für das Ford-Werk in Köln?

Der größte Standort von Ford Europa bleibt Köln. Dort werden mit Explorer und Capri zwei Elektromodelle gebaut. Zwar hat die US-Muttergesellschaft Milliarden in die Modernisierung des Werks investiert, um es auf die Elektromobilität auszurichten. Die Verkäufe der E-Autos liegen bislang aber unter den Erwartungen.

Auch in Köln läuft seit Jahren ein Sparkurs. Stellen wurden schrittweise abgebaut, zudem wanderten einzelne Entwicklungsaufgaben in die USA. Im Jahr 2027 könnte die Zahl der Beschäftigten dort auf unter 8.000 sinken. Gegen Ende der 2010er Jahre waren es noch rund 20.000.

Die Frage, ob Ford mit dem Projekt in Valencia stärker auf Hybridmodelle setzt und Köln dadurch an Bedeutung verliert, weist Baumbick zurück. Die Kooperation mit Geely habe keine Auswirkungen auf den Standort in Köln. Die dort produzierten Elektromodelle seien weiterhin ein entscheidender Teil des Ford-Portfolios.

Geely gewinnt in Europa an Boden

Auf dem europäischen Automarkt entwickeln sich Ford und Geely derzeit in unterschiedliche Richtungen. Nach Zahlen des Branchenverbands ACEA kam Geely im ersten Halbjahr 2026 auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent in Europa und legte damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,1 Prozentpunkte zu. In diesem Zeitraum entfielen rund 225.000 Neuzulassungen auf den Konzern. Zu Geely gehören neben Volvo und Smart auch Lotus, Polestar und Zeekr.

Im Herstellerranking liegt Geely damit in Europa auf Platz 8, direkt hinter Mercedes. Ford folgt auf Rang 9. Der Marktanteil der US-Marke lag im ersten Halbjahr 2026 bei 2,7 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor. Rund 192.000 Ford-Fahrzeuge wurden neu zugelassen, etwa 35.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Direkt hinter Ford liegt mit BYD bereits der nächste chinesische Hersteller, der seinen Absatz in Europa ebenfalls deutlich steigern konnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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