Wirtschaft

Droht Varta jetzt die Zerschlagung?

Droht Varta die Zerschlagung? Geldgeber wollen das Batteriegeschäft für Haushalte abspalten – und das hat einen brisanten Grund.

23.07.2026, 10:26 Uhr

Zerschlagung von Varta rückt näher: Gläubiger wollen Haushaltsbatterien aus dem Konzern lösen

Kaum eine Batteriemarke ist in Deutschland so bekannt wie Varta. Die blau-gelben Batterien für Fernbedienungen, Taschenlampen oder Spielzeug gehören seit Jahrzehnten zum Alltag vieler Haushalte. Ausgerechnet dieses Traditionsgeschäft könnte nun aus dem Konzern herausgelöst werden.

Im Streit um die Zukunft des Batterieherstellers zeichnet sich damit immer deutlicher eine Aufspaltung ab. Bedeutende Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien verselbstständigen und unter eine neue Eigentümerstruktur stellen. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage des Unternehmens aus Ellwangen. Für die übrigen Konzernteile könnte das im schlimmsten Fall sogar den Weg in die Insolvenz ebnen.

Varta selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Gläubiger sehen keine tragfähige Gesamtlösung mehr

Hinter dem Vorstoß steht eine Ad-hoc-Gläubigergruppe, zu der unter anderem die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox gehören. Nach ihren Angaben fehlt Varta kurzfristig Geld, um den laufenden Betrieb zu sichern. Eine unabhängige Untersuchung der Beratungsgesellschaft FTI kam demnach zu dem Ergebnis, dass im operativen Geschäft ein Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich besteht. Zusätzlich werde in den kommenden Jahren noch deutlich mehr Kapital benötigt.

Nach Darstellung der Gläubiger ist es trotz intensiver Gespräche bislang nicht gelungen, von Investoren oder anderen Beteiligten verbindliche Zusagen für die nötigen zusätzlichen Mittel zu erhalten. Deshalb halten sie die Abspaltung und Stabilisierung des Bereichs Consumer Batteries inzwischen für den aussichtsreichsten Weg.

Varta bleibt ein Sanierungsfall

Varta war in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten. Um eine Insolvenz abzuwenden, leitete das Unternehmen im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren nach dem Restrukturierungsgesetz StaRUG ein. Alte Aktionäre verloren dabei ihren Einfluss beziehungsweise ihr Investment, Gläubiger mussten auf Teile ihrer Forderungen verzichten. Anfang April 2025 hatte Varta noch erklärt, die monatelange Neuaufstellung sei abgeschlossen.

Die wirtschaftliche Lage bleibt jedoch angespannt. Nach zuletzt für 2024 veröffentlichten Zahlen erzielte Varta einen Umsatz von mehr als 790 Millionen Euro, schrieb aber einen Verlust von rund 64,5 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen, viele davon am Stammsitz in Ellwangen.

Apple-Rückzug belastet das Unternehmen zusätzlich

Zu den Problemen zählt auch die Entwicklung am Standort Nördlingen. Das Werk in Bayern mit rund 350 Beschäftigten soll noch im Herbst geschlossen werden. Dort produziert Varta bislang noch bis November Knopfbatterien für die kabellosen Kopfhörer von Apple. Der US-Konzern war als zentraler Kunde für den Standort jedoch abgesprungen, neue Großkunden kamen nicht hinzu. Künftig dürften diese Batterien wohl aus Asien bezogen werden.

Neben den bekannten Haushaltsbatterien fertigt Varta auch Mikrobatterien, etwa für Hörgeräte, sowie Energiespeicher für private und industrielle Anwendungen.

Zukunftstechnologie vorhanden, Kapital fehlt

Aus Sicht von Branchenbeobachtern verfügt Varta trotz der Krise weiter über technologisches Potenzial. Das Unternehmen arbeitet unter anderem an Natrium-Ionen-Batterien, die als zukunftsträchtig gelten und eine Grundlage für große, nachhaltigere Energiespeicher in Europa sein könnten.

Gerade diese Weiterentwicklung erfordert allerdings hohe Investitionen. Nach Einschätzung der wichtigsten Gläubiger fehlt derzeit eine belastbare Finanzierungsperspektive für den Gesamtkonzern.

Streit um mögliche Investorenlösung

Nach Medienberichten soll der Schweizer Investor Allswiss ein Angebot vorgelegt haben. Die finanzierenden Gläubiger sprechen allerdings lediglich von einer unverbindlichen Interessenbekundung. Aus ihrer Sicht fehlen weiterhin wesentliche Informationen, um den Vorschlag überhaupt bewerten zu können.

Von Allswiss kommt dagegen scharfe Kritik am Vorgehen der Geldgeber. Unternehmensgründer Pino Sergio warf ihnen laut einem Zeitungsbericht sinngemäß vor, nicht an einer Veräußerung, sondern eher an einer Verwertung interessiert zu sein – zulasten des Unternehmens, der Beschäftigten und anderer Gläubiger.

Sorge bei Gewerkschaft und Investor

Bei der IG Metall stößt die drohende Zerschlagung auf große Besorgnis. Fabian Fink, Zweiter Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd, sprach von einer schweren Entwicklung für die Belegschaft. Viele Arbeitsplätze und Existenzen stünden auf dem Spiel. Er forderte vom Unternehmen schnelle Transparenz und Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern, damit die Beschäftigten rasch Klarheit über ihre Zukunft bekommen.

Auch Varta-Investor und Aufsichtsratsmitglied Michael Tojner hält den Schritt der Gläubiger für nachvollziehbar. Nach dem Wegfall des Großkunden Apple sei deutlich geworden, dass Varta in der bisherigen Form kaum fortgeführt werden könne und einen weiteren Sanierungsschritt brauche. Hohe Energiepreise, hohe Lohnkosten und weitere Standortnachteile erschwerten das Batteriegeschäft in Europa zusätzlich im Wettbewerb mit Asien.

Tojner will nach eigenen Angaben versuchen, die verbleibenden Unternehmensteile in Nischenmärkten neu zu positionieren. Dies werde jedoch wohl nur mit einem weiteren Sanierungsverfahren und harten Einschnitten möglich sein. Sein Ziel sei es, das Batterie-Know-how in Europa zu erhalten.

Weitere Schritte hängen von Genehmigungen ab

Die Gläubiger kündigten zudem an, ihre vertraglich vereinbarten Rechte aus den Finanzierungsabkommen der Restrukturierung von 2024 geltend zu machen. Ob und wie die geplante Neuordnung umgesetzt werden kann, hängt allerdings noch von behördlichen und weiteren Genehmigungen ab.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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