Hessen

Rätselhafte Fahrt mit Verletzten: Neue Spur in Hofgeismar

Nach der Chaos-Fahrt von Hofgeismar fällt Posecks Urteil überraschend klar aus – warum jetzt nicht mehr Poller kommen sollen.

22.08.2026, 03:30 Uhr

Ermittlungen nach Vorfall in Hofgeismar dauern an

Nach der folgenschweren Autofahrt durch eine Fußgängerzone im nordhessischen Hofgeismar mit mehreren Verletzten gehen die Ermittlungen weiter. Nach Angaben der Polizei wurden am Freitag acht Passanten verletzt. Die Behörden und Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) gehen derzeit von einem Unfall infolge eines medizinischen Notfalls des Fahrers aus.

Vier Betroffene wurden vorsorglich in Krankenhäuser gebracht. Sie erlitten nach Polizeiangaben unter anderem Schürfwunden, Prellungen und standen unter Schock. Schwere Verletzungen wurden bei keinem der verletzten Passanten bekannt.

Wie hoch der entstandene Sachschaden ist, war zunächst noch unklar. Eine erste Schätzung der Polizei könnte am Wochenende vorliegen, möglicherweise aber auch erst am Montag.

Hinweise auf tragischen Unfall statt Absicht

Poseck hatte bereits am Freitag betont, dass nach aktuellem Stand nichts auf eine vorsätzliche Tat hindeute. Nach den ihm vorliegenden Informationen sei von einem tragischen Unfallgeschehen infolge eines gesundheitlichen Problems auszugehen. Zugleich sprach er den Verletzten und den durch den Vorfall verängstigten Menschen seine Anteilnahme aus, wünschte eine schnelle und vollständige Genesung und dankte den Einsatzkräften.

In der Kleinstadt mit knapp 16.000 Einwohnern hatte das Geschehen große Aufregung ausgelöst. Nach Angaben von Hauptamtsleiter Chris Dworak stellte sich sofort die Frage nach den Hintergründen, zudem habe das Telefon bei der Stadt ununterbrochen geklingelt.

Innenminister sieht keinen Anlass für zusätzliche Sperren

Mit Blick auf die Sicherheit in hessischen Innenstädten erklärte Poseck, das Schutzniveau sei bereits allgemein hoch. Fußgängerzonen seien vielerorts durch Poller gesichert. Aus seiner Sicht bietet der Fall von Hofgeismar keinen Anlass, weitere Maßnahmen zu ergreifen oder noch mehr Poller aufzustellen.

Er sprach von einem tragischen Einzelfall. Solche Ereignisse ließen sich nie und nirgends vollständig ausschließen, außerdem müssten Innenstädte grundsätzlich erreichbar bleiben.

Fahrer in kritischem Zustand

Nach Darstellung der Polizei war das Fahrzeug über mehrere Hundert Meter durch den Bereich gefahren und schließlich in das Schaufenster eines Kaufhauses geprallt. Bei dem Fahrer handelt es sich laut Polizei um einen 68-jährigen Mann aus Hofgeismar im Landkreis Kassel.

Der Mann wurde von einem Notarzt behandelt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand wurde von der Polizei als kritisch beschrieben. Noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte hatten Passanten dem Fahrer in seinem Auto Erste Hilfe geleistet.

ADAC: Medizinische Notfälle am Steuer sind statistisch nicht gesondert erfasst

Wie oft gesundheitliche Notfälle am Steuer vorkommen, wird laut ADAC nicht offiziell gesondert statistisch erfasst. Auch in diesem Fall blieb zunächst offen, um welche Art medizinischen Notfalls es sich handelte.

Grundsätzlich rät der ADAC dazu, bei plötzlich auftretenden gesundheitlichen Problemen das Fahrzeug so schnell wie möglich sicher zum Stillstand zu bringen und, wenn es noch möglich ist, den Notruf zu verständigen. Auf Autobahnen sollte der Wagen nach Möglichkeit auf den Seitenstreifen oder einen Parkplatz gelenkt werden.

Dabei geht es nicht nur um den Schutz der eigenen Gesundheit, sondern auch um die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. Medizinische Notfälle können letztlich jeden Autofahrer treffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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