Erneut Höchststand bei Kindeswohlgefährdungen in Deutschland
Die Zahl bestätigter Kindeswohlgefährdungen in Deutschland ist 2025 zum vierten Mal in Folge auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stellten die Jugendämter bei rund 79.800 Kindern und Jugendlichen eine Gefährdung fest – etwa durch Vernachlässigung sowie psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt.
Damit lag die Zahl zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Im Vergleich zur ersten bundesweiten Erhebung im Jahr 2012 haben sich die registrierten Fälle damit mehr als verdoppelt.
Als mögliche Ursachen für den starken Anstieg nennen die Statistiker nicht nur eine tatsächliche Zunahme der Gefährdungen. Auch eine größere Sensibilität, eine höhere Meldebereitschaft, eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Stellen, die Qualifizierung von Fachkräften sowie gesetzliche Änderungen könnten dazu beigetragen haben.
Was über die betroffenen Kinder bekannt ist
- 51 Prozent der betroffenen Minderjährigen waren höchstens acht Jahre alt.
- Rund ein Viertel war sogar nicht älter als vier Jahre.
- Das Durchschnittsalter lag bei 8,5 Jahren.
Familiäres Umfeld
- 40 Prozent der Kinder lebten bei beiden Elternteilen.
- 37 Prozent wuchsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf.
Welche Formen der Gefährdung festgestellt wurden
- Am häufigsten registrierten die Jugendämter Vernachlässigung mit 58 Prozent.
- Es folgten psychische Misshandlungen mit 38 Prozent.
- Körperliche Misshandlungen wurden in 29 Prozent der Fälle festgestellt.
- Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es bei fünf Prozent.
- Ein Viertel der betroffenen Kinder zeigte Anzeichen für mehrere Gefährdungsformen gleichzeitig.
Wer als Hauptverursacher galt
In 74 Prozent der Fälle ging die Gefährdung überwiegend oder ausschließlich von einem Elternteil aus.
Reaktionen der Behörden
Um die Situation der Kinder zu sichern, wurde in 91 Prozent der Fälle eine Hilfs- oder Schutzmaßnahme vereinbart.
Auch Verdachtsmeldungen auf Rekordniveau
Nicht nur die bestätigten Fälle nahmen zu: Auch die Zahl der Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdungen stieg deutlich. Sie erhöhte sich um 12 Prozent auf 268.300 Meldungen – ebenfalls ein neuer Höchstwert.
Die meisten Hinweise kamen von Polizei und Justiz. Danach folgten Meldungen aus der Bevölkerung, etwa von Verwandten, Nachbarn oder anonymen Hinweisgebern. Nur zwei Prozent der Meldungen stammten von den betroffenen Minderjährigen selbst, in sieben Prozent der Fälle von den Eltern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber