Ungesicherte Webseiten sollten nach Einschätzung von IT-Sicherheitsfachleuten im Zuge der schweren PHP-Sicherheitslücke umgehend vom Netz genommen werden. Angesichts drohender automatisierter Angriffe verlangt der Karlsruher Experte Christoph Fischer ein konsequentes Vorgehen der Betreiber.
„Systeme, für die bislang kein Sicherheitsupdate installiert werden konnte, dürfen keinesfalls online bleiben“, sagte Fischer der Deutschen Presse-Agentur. „Jede nicht abgesicherte PHP-Anwendung stellt derzeit ein Einfallstor für Kriminelle dar.“
Fischer verweist zudem auf ein wesentliches Problem beim Datenschutz: Wurde ein System über die Schwachstelle kompromittiert, lasse sich oft nur schwer nachvollziehen, was genau passiert ist und welche Daten möglicherweise abgeflossen sind.
Gerade dieser Nachweis ist nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für betroffene Organisationen jedoch zwingend. Aus Fischers Sicht besteht daher dringender Handlungsbedarf, insbesondere bei der forensischen Aufarbeitung solcher Vorfälle.
Außerdem fordert der Experte, dass künftig alle Beteiligten – vom PHP-Entwicklerteam über Hosting-Anbieter und Webseitenbetreiber bis hin zu staatlichen Stellen – für solche IT-Notlagen vorbereitete Notfallpläne bereithalten.
Schwere Sicherheitslücke
Bereits am Mittwoch hatte unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der kritischen Schwachstelle mit der Bezeichnung „PHP-Shell“ gewarnt. In Reaktion darauf nahmen mehrere Bundesländer, Kommunen, Behörden, Kliniken, Hochschulen und weitere öffentliche Einrichtungen ebenso wie private Webseitenbetreiber ihre Internetseiten vorsorglich offline.
Die Lücke ermöglicht es Angreifern, aus der Ferne eigenen Code auf betroffenen Servern auszuführen und die Systeme im schlimmsten Fall vollständig zu übernehmen.
Ob ein Großteil der Betreiber den Warnungen von Behörden und Fachleuten tatsächlich gefolgt ist und gefährdete Systeme abgeschaltet hat, dürfte sich laut Bericht in den kommenden Stunden zeigen. Fischer rechnet damit, dass die Bereinigung der vielen Millionen betroffenen Systeme mehrere Monate in Anspruch nehmen wird.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber