Wochenlange Sperrung der Schnellstrecke Nürnberg–Ingolstadt: Das müssen Reisende wissen
Bahnkunden müssen für mehrere Wochen auf die schnellste Schienenverbindung zwischen den größten Städten Bayerns verzichten. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt, die sowohl von ICE-Zügen als auch von Regionalverbindungen in Richtung München genutzt wird, ist von Freitag, 30. Oktober, 22.00 Uhr, bis einschließlich 12. Dezember wegen Sanierungsarbeiten gesperrt.
Warum wird die Strecke gesperrt?
Nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Strecke seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2006 inzwischen so stark beansprucht worden, dass vor allem die Schienen erneuert werden müssen. Wann ein Austausch nötig ist, hängt unter anderem davon ab, wie viele Züge auf einer Strecke unterwegs sind und mit welchem Tempo sie fahren.
Zwischen Nürnberg und Ingolstadt verkehren täglich rund 170 Züge, teilweise mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h. Deshalb ist hier nach etwa 20 Jahren eine Erneuerung erforderlich. Auf anderen Strecken könne ein Austausch dagegen auch erst nach bis zu 35 Jahren notwendig werden.
Neben dem Schienentausch sollen außerdem mehrere Weichen erneuert, Tunnel überprüft und Entwässerungsanlagen gesäubert werden. Für das gesamte Bauprojekt veranschlagt die Bahn rund 70 Millionen Euro.
Die am stärksten belastete Bahnstrecke in Bayern ist die Verbindung allerdings nicht: Auf der Münchner S-Bahn-Stammstrecke fahren täglich etwa 1.000 Züge – wenn auch mit deutlich geringerer Geschwindigkeit.

Welche Folgen hat das für ICE-Reisen aus Bayern Richtung Norden?
Nach Angaben der Bahn soll es auch während der Sperrung mindestens einmal pro Stunde eine ICE-Verbindung von München in Richtung Berlin geben. Weil die Schnellstrecke jedoch nicht genutzt werden kann, verlängert sich die Fahrt nach Nürnberg um ungefähr 45 Minuten. Die Züge werden stattdessen über Augsburg und Donauwörth umgeleitet.
Für Fahrten über Kassel nach Hamburg gibt es nur noch alle zwei Stunden einen ICE statt wie sonst stündlich. Etwa jede zweite Verbindung auf dieser Relation endet bereits in Nürnberg.
Die Bahn betont, dass der zusätzliche Verkehr auf den Strecken zwischen München und Augsburg sowie auf der Umleitungsroute über Donauwörth bei der Planung berücksichtigt worden sei. Generell rechne man daher nicht mit zusätzlichen Verspätungen durch die Umleitung, auch wenn einzelne Verzögerungen nie ganz auszuschließen seien.
Wie kommt man derzeit am besten von München nach Frankfurt?
Für Reisen von München nach Frankfurt empfiehlt die Bahn, die ICE-Verbindungen über Ulm und Stuttgart zu nutzen. Andernfalls ist auf der Strecke ein Umstieg erforderlich.
Was gilt für Fahrgäste im Regionalverkehr?
Wer die Schnellstrecke normalerweise mit dem Deutschlandticket im Regionalexpress nutzt, muss während der Sperrung auf Busse ausweichen. Diese Ersatzverkehre benötigen zwischen Nürnberg und Ingolstadt zwar etwa doppelt so lange wie die sonst eingesetzten Regionalexpress-Züge, bedienen dafür aber nicht nur Haltepunkte in der Nähe der Bahnhöfe Allersberg und Kinding, sondern zusätzlich jeweils einen weiteren Ort in den Gemeinden, nämlich Johannisbrücke und den Marktplatz.
Laut Bahn sind die Ersatzbusse so geplant, dass Anschlüsse in Nürnberg und Ingolstadt möglichst gut erreicht werden können. Die Regionalexpresszüge der Linie RE1, die sonst über die Schnellfahrstrecke fahren, verkehren während der Bauzeit stattdessen auf der Strecke der RB16 über Treuchtlingen.
Wo können Reisende prüfen, ob ihr Zug fährt?
Die Bahn empfiehlt, vor Reiseantritt die Verbindung im DB Navigator zu kontrollieren. Einen allgemeinen Überblick über baubedingte Sperrungen und Einschränkungen auf bayerischen Strecken bietet außerdem das Verkehrslage-Portal der Deutschen Bahn im Internet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber