Nach dem Verdacht auf einen Sprengstofffund im fränkischen Treuchtlingen hat die Polizei Entwarnung gegeben. Bei dem entdeckten Gegenstand handelte es sich nach Angaben eines Sprechers nicht um einen Sprengkörper.
Nach bisherigem Ermittlungsstand gehen die Behörden allerdings davon aus, dass das Objekt absichtlich als Attrappe im Gleisbereich abgelegt wurde. Polizeisprecher Michael Konrad sagte, der Gegenstand habe so ausgesehen, als sei er bewusst dort platziert worden. Zudem bestehe der Verdacht, dass gezielt eine Ähnlichkeit mit einem Sprengsatz erzeugt worden sei.
Gegenstand südlich des Bahnhofs entdeckt
Gefunden wurde das Objekt gegen 8.30 Uhr von einem Techniker im Gleisbett südlich des Bahnhofs. Ein Entschärfer-Team der Bundespolizei untersuchte den Gegenstand zunächst und röntgte ihn am Donnerstagvormittag. Eine sofortige Entwarnung war danach jedoch noch nicht möglich.
Zwischenzeitlich wurden laut Polizei vorsorglich einige unmittelbar betroffene Gebäude geräumt. Elf Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Bei einer zweiten Untersuchung hoben Einsatzkräfte den Gegenstand mit Hilfe eines Roboters an. Die abschließende Röntgenaufnahme ergab dann, dass sich kein Sprengstoff in dem Objekt befand.
Zur genauen Beschaffenheit und zum Aussehen des Gegenstands machte die Polizei zunächst keine näheren Angaben. Auch Berichte, wonach es sich um ein „Päckchen“ gehandelt haben soll, wurden nicht bestätigt.
Kripo Ansbach ermittelt
Die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei in Ansbach übernommen. Hinweise auf einen politischen Hintergrund gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Rund um die Fundstelle lief ein größerer Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt, Autofahrer sollten den Bereich großräumig umfahren. Nach Polizeiangaben waren allein rund 100 Einsatzkräfte der Polizei vor Ort, darunter Sprengstoffexperten und Spurensicherer. Die Sperrungen für Passanten und Anwohner im Umkreis von etwa 100 Metern wurden schrittweise wieder aufgehoben.
Zugverkehr zunächst unterbrochen, Strecke seit 14.30 Uhr wieder frei
Der Zugverkehr in Treuchtlingen kam komplett zum Erliegen. Auch nach der Entwarnung blieb die Bahnstrecke zunächst noch gesperrt, weil die Kriminalpolizei im Gleisbereich Spuren sicherte. Gegen 14.30 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben.
Betroffen waren im Nahverkehr die Linien RB 16, RE 16 und RE 60. Regionalzüge endeten vorzeitig an geeigneten Bahnhöfen, als Ersatz waren Busse und Großraumtaxis im Einsatz. Fernverkehrszüge wurden über Ingolstadt umgeleitet.
Treuchtlingen liegt zwischen Nürnberg und Ingolstadt und hat rund 13.000 Einwohner. Die Stadt ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt für den Regionalverkehr im südlichen Mittelfranken und im nördlichen Oberbayern. Die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt verläuft weiter östlich, deshalb waren die meisten ICE-Verbindungen zwischen München und Nürnberg nicht betroffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber