Der Außenwirtschaftsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, fordert eine stärkere Diversifizierung im Außenhandel sowie engere wirtschaftliche Kontakte zu weiteren Staaten. Im Deutschlandfunk sagte er, Deutschland und Europa müssten weltweit intensiver auf neue Partner zugehen. Handelsbeziehungen seien dabei der erste Schritt, auf den in der Regel auch Investitionen folgten. Viele Länder signalisierten bereits ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit und lüden Unternehmen dazu ein, sich dort stärker zu engagieren.
Treier sieht in der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump einen zusätzlichen Anstoß für diese Neuausrichtung. Mit Blick auf die Zollvereinbarung zwischen der EU und den USA sagte er, Trumps Kurs zwinge Europa dazu, seine Handelsbeziehungen breiter aufzustellen. Auf Ebene der Europäischen Union werde sich deshalb voraussichtlich einiges bewegen. Zugleich betonte er, mit der aktuellen US-Regierung sei kaum ein anderes Ergebnis möglich gewesen. Ohne die Einigung hätte eine weitere Eskalation bei den Zöllen gedroht, die beiden Seiten geschadet hätte – Europa jedoch in besonderem Maße. Das Abkommen sorge nun zumindest vorerst für mehr Planungssicherheit.
Treier: Freihandelsabkommen sind der richtige Kurs
Nach Treiers Einschätzung konnte die Europäische Union mit der Vereinbarung einen drohenden Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten verhindern. Allerdings musste sie dafür akzeptieren, dass auf den Großteil der Warenexporte in die USA künftig Zölle von bis zu 15 Prozent erhoben werden. Hinzu kommen weitere Zugeständnisse, etwa der Wegfall von EU-Zöllen auf amerikanische Industriegüter.
Treier verwies zugleich auf noch nicht ratifizierte Handelsabkommen mit Ländern wie Indien, Indonesien und Australien. Solche Freihandelsabkommen seien aus seiner Sicht der richtige Weg. Er sagte, ohne den Druck durch Donald Trump wären diese Verhandlungen womöglich nicht in dieser Form vorangetrieben worden. Gleichzeitig kritisierte er, dass Europa und auch Deutschland in der Vergangenheit zu lange gezögert hätten, ihre Handelsbeziehungen entschlossener auszubauen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber