Zu Beginn des laufenden Jahres waren in Deutschland so viele Pkw zugelassen wie noch nie. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes und des Statistischen Bundesamtes stieg der Bestand binnen eines Jahres um rund 150.000 Fahrzeuge auf 49,5 Millionen. Damit erreichte auch die Fahrzeugdichte einen neuen Höchststand: Im Schnitt kamen 593 Autos auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner – drei mehr als ein Jahr zuvor.
Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres wuchs der Bestand bereits um weitere 60.000 Pkw. Der jüngste Zuwachs geht dabei vor allem auf alternative Antriebe zurück. Die Zahl der Hybridfahrzeuge legte innerhalb eines Jahres um 800.000 auf 4,4 Millionen zu, darunter gut 1,1 Millionen Plug-in-Hybride. Bei den reinen Elektroautos gab es ein Plus von knapp 400.000 auf mehr als 2 Millionen Fahrzeuge. Dagegen nahm der Bestand an Verbrennern ab. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Quartal fort.
Im weiteren Jahresverlauf dürfte der Bestand an E-Autos weiter steigen. In den bislang vorliegenden Zahlen schlagen sich weder die zuletzt hohen Spritpreise noch der neue staatliche Förderimpuls für Elektromobilität vollständig nieder.
Saarland weiter an der Spitze
Besonders hoch ist die Autodichte weiterhin in den großen Flächenländern. Den Spitzenwert erreicht das Saarland mit 649 Pkw je 1.000 Einwohner. Das sind drei Fahrzeuge mehr als ein Jahr zuvor. Es folgen Rheinland-Pfalz mit 644 und Bayern mit 639 Autos pro 1.000 Menschen. Auch in allen übrigen Flächenländern nahm die Zahl der Fahrzeuge pro Kopf erneut zu.
Berlin mit geringster Autodichte
Anders entwickelte sich die Lage nur in den Stadtstaaten. Dort verzeichneten die Statistiker keinen Zuwachs: In Berlin und Bremen sank die Zahl der Autos pro Einwohner, in Hamburg blieb sie unverändert. Die niedrigste Autodichte bundesweit wurde erneut in Berlin gemessen. In der Hauptstadt kommen nur 330 Pkw auf 1.000 Einwohner. In Ballungsräumen dürfte dabei das dichte Angebot im öffentlichen Nahverkehr eine wichtige Rolle spielen, weil es den Verzicht auf ein eigenes Auto erleichtert.
Unter dem bundesweiten Durchschnitt lagen neben den Stadtstaaten auch sämtliche ostdeutschen Flächenländer. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit zwar über dem Durchschnitt, an die Spitzenwerte innerhalb der EU reicht es aber nicht heran. Dort liegt Italien mit mehr als 700 Autos je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vorn. In Ländern wie Neuseeland oder den USA ist die Autodichte teils noch höher.
Einzelne deutsche Zulassungsbezirke erreichen allerdings ebenfalls außergewöhnlich hohe Werte. In Wolfsburg kommen rechnerisch 978 Pkw auf 1.000 Einwohner. Dabei spielt jedoch eine große Rolle, dass dort viele Fahrzeuge gewerblich zugelassen sind – insbesondere durch Volkswagen mit Sitz in der Stadt. Rund die Hälfte des Bestands entfällt dort auf solche gewerblichen Zulassungen. Bei Privat-Pkw liegt die höchste Dichte in Deutschland grob in einem Bereich um 700 Fahrzeuge je 1.000 Einwohner.
Die meisten Autos gehören Privatpersonen
Auch wenn bei Neuzulassungen häufig gewerbliche Fahrzeuge dominieren, fällt ihr Anteil im Gesamtbestand vergleichsweise gering aus. Bundesweit sind 5,7 Millionen Pkw gewerblich zugelassen, das entspricht 11,5 Prozent. Die übrigen 43,8 Millionen Fahrzeuge gehören Privatpersonen. Bei 17,1 Millionen dieser Autos sind Frauen als Halterinnen eingetragen.
Nach Fahrzeugklassen liegt weiterhin die Kompaktklasse mit 10,8 Millionen Pkw vorn. Dahinter folgen Kleinwagen mit 8,8 Millionen und SUV mit 7,2 Millionen. Allerdings verschiebt sich der Bestand seit Jahren: Die Kompaktklasse schrumpfte zuletzt um fast eine halbe Million Fahrzeuge, während mehr als 600.000 SUV und über 200.000 Kleinwagen hinzugekommen sind. Ebenfalls rückläufig sind derzeit unter anderem Mittelklassewagen, Minis, Vans und Sportwagen.
Dass die Kompaktklasse im Bestand trotzdem noch auf Platz eins liegt, obwohl SUVs bei den Neuzulassungen längst vorne liegen, hängt auch mit der langen Nutzungsdauer von Autos in Deutschland zusammen. Das Durchschnittsalter der gesamten Pkw-Flotte lag zu Jahresbeginn bei 10,9 Jahren und damit so hoch wie nie. Zum Vergleich: 2010 waren die Fahrzeuge im Schnitt erst 8,3 Jahre alt. Zugleich nahm auch die Zahl der Oldtimer weiter zu. Inzwischen sind 1,55 Millionen Autos mindestens 30 Jahre alt – rund 100.000 mehr als vor einem Jahr.
Mehr Autos, mehr Fahrten
Auch die Nutzung der Fahrzeuge nimmt wieder zu. Für 2024 weist die umweltökonomische Gesamtrechnung eine Fahrleistung von 576,3 Milliarden Kilometern aus. Das entspricht einem Plus von 0,9 Prozent gegenüber 2023 und von 7,0 Prozent im Vergleich zum Corona-Jahr 2020. Das Niveau von 2019 vor der Pandemie mit fast 640 Milliarden Kilometern wurde allerdings weiterhin deutlich verfehlt.
Autos bleiben in Deutschland mit großem Abstand das wichtigste motorisierte Verkehrsmittel. Nach EU-Daten entfallen rund 84 Prozent des motorisierten Personenverkehrs auf Pkw. Züge kommen auf 10 Prozent, Busse auf 5 Prozent sowie Straßen-, U- und Stadtbahnen auf 2 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber