Wirtschaft

SpaceX-IPO: Dieser Rekord elektrisiert jetzt die Börsen

KI, Raumfahrt, Starlink: Zündet SpaceX den nächsten Mega-Coup? Warum Experten trotz Hype vor einem Börsenbeben warnen.

08.06.2026, 13:31 Uhr

Mitten im KI-Hype strebt SpaceX an die Börse – und zwar in einer Dimension, die es so bislang kaum gegeben hat. Beim für Freitag geplanten IPO will das von Elon Musk geführte Raumfahrtunternehmen rund 75 Milliarden US-Dollar einsammeln.

Mit dem bereits festgelegten Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie käme SpaceX auf einen Börsenwert von etwa 1,7 Billionen Dollar. Damit würde der Konzern auf Anhieb zu den zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt zählen. Eine übliche Preisspanne vor dem Börsengang nannte das Unternehmen nicht. An der Spitze der Billionen-Konzerne steht derzeit KI-Schwergewicht Nvidia mit einer Bewertung von rund 5 Billionen Dollar.

Riesiger Kapitalmagnet

Ein Einstieg bei SpaceX ist vor allem eine Wette auf Musks Fähigkeit, Zukunftstechnologien in profitable Geschäfte zu verwandeln. Denn trotz der Euphorie schrieb das Unternehmen im vergangenen Jahr Milliardenverluste – vor allem wegen der hohen Entwicklungskosten für die Schwerlastrakete Starship.

Gleichzeitig fasziniert Anleger die zentrale Rolle von SpaceX im US-Raumfahrtprogramm. Hinzu kommt mit Starlink ein Satelliten-Internetdienst, der bereits als wichtigster Ertragsbringer gilt. Außerdem hat Musk auch seine KI-Firma xAI und die Plattform X in das Umfeld von SpaceX eingebracht.

Damit vereint der Konzern mehrere der derzeit größten Zukunftsthemen unter einem Dach. Doch genau darin liegt auch das Risiko: Wenn die Hoffnungen auf dauerhaftes Wachstum enttäuscht werden, könnte die Begeisterung schnell nachlassen. Zugleich dürfte der Börsengang enorme Summen aus vielen Bereichen des Kapitalmarkts anziehen.

Schon jetzt kursieren Berichte, wonach die Nachfrage das verfügbare Aktienvolumen um das Doppelte übersteigen könnte. Zusätzlichen Schwung bekam das Interesse durch Medienmeldungen, nach denen deutlich mehr Aktien für Privatanleger reserviert werden sollen als bei Börsengängen normalerweise üblich. Sollte der Plan aufgehen, könnte Musk als größter Anteilseigner seine Kontrolle über SpaceX behalten – und womöglich als erster Mensch überhaupt die Schwelle zum Billionär überschreiten.

Auch in Deutschland können Privatanleger über mehrere Online-Broker, darunter Flatex und Trade Republic, Zeichnungsaufträge für SpaceX-Aktien abgeben. Ob und in welchem Umfang sie Anteile erhalten, hängt von der Nachfrage während der Zeichnungsfrist ab.

Zwischen Zukunftsbranche und Kultbewertung

Marktbeobachter verweisen auf die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt als große Chance. Für Alicia Daurignac, Fondsmanagerin beim französischen Vermögensverwalter La Financiere de l’Echiquier, markiert der Börsengang einen Wendepunkt für die Weltraumwirtschaft. Ihrer Einschätzung nach könnte der Sektor dadurch künftig nicht mehr nur als spekulative Nische gelten, sondern als eigenständige Infrastrukturklasse – vergleichbar mit Energie oder Telekommunikation.

Deutlich vorsichtiger äußert sich Tristan Abet von Kepler Cheuvreux, der auf thematische Investments spezialisiert ist. Er sieht vor allem die Person Elon Musk kritisch. Aus seiner Sicht steht bei SpaceX nicht einfach ein klassischer Unternehmenschef im Mittelpunkt, sondern eine fast kultisch verehrte Figur. Die hohe Bewertung sei daher auch Ausdruck von Emotion, Faszination und dem uralten Menschheitstraum vom Griff nach den Sternen.

Sollten sich die Optimisten durchsetzen, könnte an den Börsen ein historisches Spiel um Billionenwerte beginnen. Davon würden nicht nur Investoren profitieren wollen, sondern auch die Betreiber wichtiger Aktienindizes. Einige von ihnen haben ihre Regeln bereits angepasst: Mindestanforderungen an den frei handelbaren Aktienanteil wurden gelockert, und Wartezeiten für eine mögliche Indexaufnahme verkürzt.

Wenn Fonds kaufen müssen

Durch diese Änderungen könnte SpaceX deutlich schneller als sonst in bedeutende Börsenindizes aufgenommen werden. Genau darin sieht Audun Wickstrand Iversen von DNB Asset Management ein Risiko. Sobald das Unternehmen in den großen Indizes vertreten ist, müssten indexnahe Fonds automatisch zugreifen – unabhängig davon, ob die Bewertung aus fundamentaler Sicht gerechtfertigt erscheint.

Die Nachfrage würde dann nicht aus klassischer Unternehmensanalyse entstehen, sondern aus der Struktur des Marktes selbst. Das heißt: Fonds, die Indizes nachbilden, müssten SpaceX-Aktien kaufen, selbst wenn Zweifel an Gewinnentwicklung oder Geschäftsmodell bestehen.

Das nötige Kapital dafür müsste wiederum an anderer Stelle abgezogen werden, sofern nicht ausreichend frisches Geld in den Markt fließt. Gerade große Anbieter von ETF- und Indexfonds sowie Pensionsfonds könnten dadurch zu entscheidenden Akteuren werden. Ihre Umschichtungen hätten das Potenzial, ganze Sektoren oder andere Märkte unter Druck zu setzen.

Als mögliche Quelle dieser Mittel nennt Jane Gibbons vom Analysehaus Jefferies vor allem die sogenannten „Glorreichen Sieben“ der US-Technologiebranche. Dazu zählen neben Nvidia auch Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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