IG Metall plant große Stahl-Demonstration in Berlin
Angesichts der anhaltenden Krise in der deutschen Stahlindustrie mobilisiert die IG Metall zu einer bundesweiten Großkundgebung in Berlin. Wie die Gewerkschaft in Frankfurt mitteilte, sollen an diesem Freitag, dem 12. Juni, Beschäftigte aus dem ganzen Land auf die Straße gehen. Der Demonstrationszug ist vom Brandenburger Tor bis zum Bundeswirtschaftsministerium geplant. Erwartet werden mehrere Tausend Teilnehmer.
IG-Metall-Vize Jürgen Kerner erklärte, die Politik habe in den vergangenen Monaten auch auf Druck der Gewerkschaft bereits Schritte zur Unterstützung der Branche eingeleitet. Nun dürfe sie jedoch nicht nachlassen, sondern müsse zugesagte Maßnahmen vollständig umsetzen.
Bei der Kundgebung werden neben Kerner auch die Vorsitzenden von Grünen und Linken, Felix Banaszak und Ines Schwerdtner, erwartet. Zudem sollen Vertreter aus Unternehmen der Stahlindustrie sprechen, darunter Betriebsratschefs und Arbeitsdirektoren.
Branche kämpft mit Absatzkrise, Energiekosten und Importdruck
Die Stahlhersteller in Deutschland stehen derzeit gleich von mehreren Seiten unter Druck. Besonders die Schwäche wichtiger Abnehmerbranchen wie der Autoindustrie belastet das Geschäft. Hinzu kommen hohe Energiekosten, preisgünstige Importe – vor allem aus China – sowie hohe Investitionen für den Umbau hin zu einer klimafreundlicheren Produktion. Auch die US-Zölle auf Stahlimporte verschärfen die Lage.
Im Jahr 2024 sank die Rohstahlproduktion in Deutschland auf 34,1 Millionen Tonnen. Das war der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2009. Der Konzern Thyssenkrupp Steel Europe reagiert bereits mit einem harten Sparkurs und plant, rund 11.000 Arbeitsplätze abzubauen oder auszulagern.

Die Bundesregierung hatte schon im November zu einem Stahlgipfel ins Kanzleramt geladen. Zudem wurde ein Industriestrompreis angestoßen, um energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie zu entlasten. Unterstützung kommt auch von der Europäischen Union: Im April verständigte sich die EU darauf, die bislang zollfrei mögliche Importmenge nahezu zu halbieren. Für zusätzliche Einfuhren soll künftig ein Strafzoll von 50 Prozent gelten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion