Wirtschaft

Deutsche Bank: Zoff um Aufsichtsrats-Vergütung

Erste Präsenz-HV seit 2019: Bei der Deutschen Bank kocht der Protest hoch – und höhere Aufseher-Gehälter sorgen für Zoff.

28.05.2026, 10:20 Uhr

Deutsche Bank sieht sich auf Kurs Richtung europäische Spitze

Die Deutsche Bank hält sich nach den Worten ihres Aufsichtsratschefs Alexander Wynaendts für gut aufgestellt, um in Europa weiter nach oben zu rücken. Bei der ersten Hauptversammlung mit Aktionären vor Ort seit 2019 sagte er in Frankfurt, das Institut habe noch erhebliches Potenzial. Bildlich gesprochen habe die Bank das „Basislager“ erreicht und könne nun den Aufstieg in die Spitzengruppe der europäischen Banken in Angriff nehmen. Das passe zum Anspruch, ein „European Champion“ zu werden.

Wynaendts für weitere vier Jahre im Amt bestätigt

Der Niederländer, der den Aufsichtsrat seit vier Jahren führt, ist von den Aktionären für eine weitere Amtszeit von vier Jahren bestätigt worden. Auf der Hauptversammlung erhielt Wynaendts 94,22 Prozent Zustimmung. Die Bank hatte bereits angekündigt, dass er nach der Wahl erneut den Vorsitz des Kontrollgremiums übernehmen soll.

Deutliche Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung sorgt für Streit

Zu den umstrittensten Punkten der Hauptversammlung zählte die Anhebung der Aufsichtsratsbezüge. Die Bank begründet den Schritt damit, dass die Vergütung der Kontrolleure nicht mehr wettbewerbsfähig sei.

Vorgesehen war, die feste jährliche Grundvergütung für einfache Aufsichtsratsmitglieder von 300.000 auf 350.000 Euro anzuheben. Für Wynaendts steigt sie von 950.000 auf 1,15 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Zusatzvergütungen für Ausschussvorsitze, sodass er insgesamt auf bis zu 1,4 Millionen Euro kommen könnte. Damit bleibt er Deutschlands bestbezahlter Aufsichtsratschef. Auch der stellvertretende Vorsitzende Norbert Winkeljohann erhält künftig 550.000 Euro.

Die Aktionäre billigten die höhere Vergütung für den Aufsichtsrat mit 96,84 Prozent Zustimmung.

Aktionärsvertreter kritisieren „falsches Signal“

Vor allem die geplante Änderung bei der Ausschussvergütung stieß bei Investoren auf Widerstand. Alexandra Annecke von Union Investment erklärte, eine höhere Basisvergütung sei nach langer Zeit ohne Anpassung grundsätzlich akzeptabel. Dass jedoch die Deckelung der Ausschussvergütung für den Vorsitzenden vollständig entfallen solle, sei aus ihrer Sicht zu großzügig und gehe zu weit.

Auch Deka Investment lehnt die kräftige Erhöhung ab. Deka-Vertreter Andreas Thomae nannte das Plus für den Aufsichtsratsvorsitzenden klar überzogen. Die vorgesehene Vergütung liege selbst im Vergleich mit anderen großen Dax-Konzernen und europäischen Großbanken außerhalb des üblichen Rahmens. Das sende ein falsches Signal an die Belegschaft und die Öffentlichkeit.

Rekordergebnis und höhere Rendite dank KI im Blick

Lob gab es von Aktionärsvertretern dagegen für die Geschäftsentwicklung. Im Gesamtjahr 2025 erzielte die Deutsche Bank mit gut 9,7 Milliarden Euro das höchste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 6,1 Milliarden Euro. Ein höherer Gewinn, der auf die Aktionäre entfiel, wurde nur im Rekordjahr 2007 mit rund 6,5 Milliarden Euro erreicht.

Vorstandschef Christian Sewing sieht weiteres Potenzial – auch durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent sei für die Bank die Untergrenze, sagte Sewing. Man traue sich deutlich mehr zu. 2025 hatte die Deutsche Bank gut 10 Prozent erreicht. Die Kennziffer zeigt, wie effizient das eingesetzte Kapital zur Erzielung von Gewinnen genutzt wird.

Proteste vor der Messehalle

Begleitet wurde die Hauptversammlung von Protesten vor den Frankfurter Messehallen. Ein Bündnis mehrerer Umweltorganisationen platzierte ein buntes, brennendes Känguru und forderte mit Verweis auf den Klimawandel: „Kein Geld für Kohle, Öl und Gas“. Zudem rief die Gewerkschaft Verdi zu einer Demonstration auf, um in der Tarifrunde für die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende Postbank Druck zu machen.

Solche Aktionen waren in den vergangenen Jahren wegen des digitalen Formats ausgeblieben. Seit der Corona-Pandemie können Hauptversammlungen gesetzlich auch rein online abgehalten werden, was viele Unternehmen aus Kostengründen weiter nutzen. Die Deutsche Bank hat angekündigt, mindestens alle vier Jahre wieder eine Präsenz-Hauptversammlung anzubieten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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