Wirtschaft

Commerzbank überrascht mit Gewinnsprung im Quartal

Gewinnsprung bei der Commerzbank – reicht das im Machtpoker mit Unicredit? Hinter den starken Zahlen lauert die nächste Frage.

06.08.2026, 07:26 Uhr

Commerzbank verdoppelt Quartalsgewinn und lotet mit Unicredit gemeinsame Lösung aus

Die Commerzbank hat im zweiten Quartal 2026 einen überraschend starken Gewinnsprung erzielt und sieht sich damit gestärkt für die nächsten Gespräche mit ihrer Großaktionärin Unicredit. Vorstandschefin Bettina Orlopp sagte, die Bank sei bereit für konstruktive Gespräche mit dem Institut aus Mailand. Nur ein gemeinsamer Ansatz habe das Potenzial, zusätzlichen Mehrwert zu schaffen.

Zugleich machte Orlopp deutlich, dass sich die Lage bei den Eigentumsverhältnissen grundlegend verändert hat: Faktisch habe die Commerzbank nun einen Kontrollaktionär. Mit Blick auf die laufenden aufsichtsrechtlichen Prüfungen der Unicredit-Pläne rechnet sie damit, dass die nötigen Genehmigungen im vierten Quartal vorliegen werden.

Auf Fragen zu ihrer persönlichen Zukunft reagierte Orlopp zurückhaltend. Für sie stehe nicht im Vordergrund, wie es für sie selbst weitergehe. Ihre Aufgabe sei es vielmehr, in der aktuellen Situation das Beste für alle Beteiligten herauszuholen. Zugleich erinnerte sie daran, dass derzeit noch mehr als 50 Prozent der Aktien nicht von Unicredit kontrolliert würden und beide Institute weiterhin Wettbewerber seien.

Gewinnsprung im zweiten Quartal

Von April bis Juni verdiente Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank unter dem Strich 898 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Damals hatte der Überschuss bei 462 Millionen Euro gelegen. Belastet worden war das Ergebnis seinerzeit allerdings von Kosten für den Abbau Tausender Stellen.

Nach einem Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr sieht sich der Vorstand weiter klar auf Kurs. Die Commerzbank hält an ihrem Ziel fest, im Gesamtjahr 2026 einen Gewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro zu erreichen.

Mehr Geld für Aktienrückkäufe

Zugleich will der Frankfurter Dax-Konzern bis zu 1,2 Milliarden Euro zusätzlich in den Rückkauf eigener Aktien investieren. Mit höheren Gewinnen und Kapitalmaßnahmen wie Aktienrückkäufen hatte der Vorstand um Orlopp versucht, die Anteilseigner zu überzeugen und die Eigenständigkeit des 1870 gegründeten Instituts zu sichern.

Unicredit baut ihren Einfluss weiter aus

Allerdings ist der Einfluss der Unicredit inzwischen deutlich gewachsen. Knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg kann die italienische Großbank auf fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile zugreifen. Unicredit-Chef Andrea Orcel rechnet nach jüngsten Aussagen mit einer baldigen Kontrollübernahme bei dem Frankfurter Institut.

Nach Angaben der Unicredit kamen bis Anfang Juli über ein freiwilliges Übernahmeangebot weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien hinzu. Zusammen mit den bereits zuvor gehaltenen 26,77 Prozent ergibt sich damit rechnerisch ein Anteil von 44,37 Prozent. Über Kaufoptionen haben die Italiener zudem Zugriff auf weitere 3,22 Prozent und könnten ihren Anteil damit auf 47,59 Prozent ausbauen.

Orlopp betont Verantwortung auf beiden Seiten

Orlopp stellte klar, dass Unicredit auch mit einer möglichen Mehrheit auf der kommenden Hauptversammlung nicht allein über grundlegende Strukturentscheidungen bestimmen könne. Das sei ein klarer Gestaltungsauftrag für beide Seiten. Dafür brauche es ein gemeinsames Verständnis über das Geschäftsmodell sowie die Einbindung aller relevanten Interessengruppen.

Auch der Bund bleibt ein wichtiger Faktor. Nachdem der staatliche Aktienverkauf im September 2024 Unicredit den Weg geebnet hatte, hält der Staat weiterhin gut zwölf Prozent an der Commerzbank. Diese Beteiligung stammt noch aus der Finanzkrise 2008/2009, als die Bank mit Milliarden aus Steuergeldern gestützt wurde.

Offen ist zudem, welche Rolle der künftige Standort spielen könnte. Auf die Frage, ob es in den Gesprächen auch um eine mögliche Zentrale in Frankfurt oder München gehen werde, sagte Orlopp, man werde alle potenziellen Gestaltungskriterien mit Blick auf mögliche Zielbilder prüfen. In München sitzt bereits die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank, zudem plant Unicredit dort einen neuen Büroturm.

Droht der Abbau Tausender Jobs?

Orcel verfolgt mit einer Übernahme der Commerzbank das Ziel, eine europäische Großbank zu formen, die auch als Gegengewicht zu den deutlich profitableren US-Instituten dienen könnte. Unicredit ist in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank aktiv und sieht nach eigener Darstellung Potenzial für Milliardeneinsparungen, einschließlich des Abbaus Tausender Stellen.

Gerade dieses aus Sicht der Commerzbank feindliche Vorgehen sorgt weiter für Widerstand bei Management, Betriebsrat und Belegschaft. Auch die Bundesregierung hatte sich wiederholt kritisch geäußert.

Streit über das Übernahmekonstrukt

Besonders umstritten ist, wie Unicredit ihren Anteil ausgeweitet hat. Nach Erkenntnissen der Commerzbank wurden der Unicredit im Rahmen des Übernahmeangebots von professionellen Investoren und Privatanlegern zusammen lediglich 2,7 Prozent der Anteile angedient. Der weitaus größere Teil stammt demnach überwiegend von Banken, mit denen Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte macht.

Die Commerzbank hatte Unicredit zwischenzeitlich vorgeworfen, ihre Aktienposition künstlich aufzublähen, und zur Klärung die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Ein Ergebnis dieser Prüfung steht bislang noch aus.

Eine Strafanzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats wegen des Verdachts auf Marktmanipulation blieb dagegen ohne Folgen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens Anfang Juli ab, weil nach ihrer Einschätzung keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat vorlagen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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