Frankfurt am Main
Die Commerzbank will sich im Übernahmewettstreit mit der italienischen Unicredit mit einem verschärften Sparkurs und höheren Renditezielen als eigenständiges Institut positionieren. Der Dax-Konzern kündigte in Frankfurt an, bis 2030 konzernweit rund 3.000 weitere Vollzeitstellen abzubauen. Zugleich sollen in Wachstums- und Zukunftsbereichen neue Jobs entstehen. Ende 2025 beschäftigte die Bank weltweit 39.867 Vollzeitkräfte.
Nach Darstellung der Commerzbank wären die Folgen einer Übernahme deutlich gravierender. In einer ersten ausführlicheren Bewertung des jüngst veröffentlichten Kaufangebots argumentiert das Institut, die Pläne der Unicredit würden zu einem wesentlich stärkeren Stellenabbau führen.
Bereits im Februar 2025 hatte die Commerzbank angekündigt, bis Ende 2027 3.900 Vollzeitstellen abzubauen, den Großteil davon in Deutschland. Parallel sollten damals vor allem im Ausland neue Stellen geschaffen werden, etwa bei der polnischen Tochter mBank und an Standorten in Asien.
Bester Jahresauftakt seit 2011
Im ersten Quartal 2026 entwickelte sich das Geschäft besser als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis stieg auf rund 1,36 Milliarden Euro, der Überschuss auf 913 Millionen Euro. Beide Werte lagen damit etwa zehn Prozent über dem Niveau des Vorjahres und auch über den Erwartungen von Analysten.
Vorstandschefin Bettina Orlopp sieht sich damit in ihrem Kurs bestätigt und spricht vom besten Jahresstart seit 2011. Nach ihrer Einschätzung zeigt das Ergebnis, dass die Strategie der Bank greift und mehr Potenzial bietet als zunächst angenommen.
Schon im Gesamtjahr 2025 hatte die Commerzbank trotz hoher Kosten für den laufenden Stellenabbau einen Gewinn von gut 2,6 Milliarden Euro erzielt. Damit verfehlte das Institut den Rekordgewinn aus dem Jahr 2024 von knapp 2,7 Milliarden Euro nur knapp.
Höhere Ziele in der Strategie
Im Zuge ihrer überarbeiteten Strategie „Momentum 2030“ hebt die Bank nun ihre Gewinnziele an. Für 2026 peilt die Commerzbank einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an und damit 200 Millionen Euro mehr als bisher. Bis 2028 soll das Ergebnis auf 4,6 Milliarden Euro steigen, bis 2030 auf 5,9 Milliarden Euro.
Unicredit erhöht den Druck
Die Commerzbank steht seit Monaten unter dem Druck der italienischen Großaktionärin Unicredit. Deren Vorstandschef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg im September 2024 für eine Übernahme und hatte der Frankfurter Bank zuletzt öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren unterdurchschnittliche operative Leistung vorgeworfen. Ohne Neuausrichtung sei das Institut mittelfristig gefährdet.
Unicredit selbst meldete für das erste Quartal 2026 mit 3,2 Milliarden Euro den höchsten Quartalsgewinn ihrer Unternehmensgeschichte. Nach jüngsten Angaben kontrolliert das Geldhaus inzwischen knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile und will sich bis 16. Juni über ein Tauschangebot weitere Anteile sichern. Für den Fall einer Übernahme hat Unicredit bereits ein Umbauprogramm vorgelegt.
Nach Darstellung der Commerzbank sähe dieses Programm in Deutschland den Abbau von rund 7.000 Vollzeitstellen vor. Zudem hält das Frankfurter Institut die von Unicredit angekündigten zusätzlichen Einsparungen für kaum erreichbar, ohne nochmals 3.000 bis 4.000 weitere Stellen zu streichen. Die Commerzbank-Spitze bezeichnet die Pläne der Italiener deshalb als vage und riskant für das Deutschland-Geschäft.
Sozialverträglicher Abbau mit Rückhalt des Betriebsrats
Der nun angekündigte Stellenabbau soll den Vorstand zufolge rund 450 Millionen Euro kosten und sozialverträglich umgesetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem Verrentungen und ein Altersteilzeitprogramm mit einer Zusatzprämie von 50.000 Euro. Die Eckpunkte sind nach Angaben der Bank in einer mit dem Betriebsrat vereinbarten Transformationsvereinbarung geregelt.
Gleichzeitig sollen in Wachstums- und Zukunftsfeldern Stellen aufgebaut werden, etwa bei der Digitalmarke Comdirect und in der Vermögensverwaltung. Wo genau die rund 3.000 Stellen wegfallen sollen, blieb zunächst offen. Nach Angaben der Bank werden alle Einheiten geprüft, sowohl in der AG als auch bei deutschen Tochtergesellschaften und internationalen Standorten.
Der Betriebsrat trägt den Kurs mit und verweist darauf, dass Einschnitte zwar unvermeidlich seien, aber deutlich weniger hart ausfielen als bei einer Übernahme. Auch aus Sicht der Gewerkschaft Verdi sind betriebsbedingte Kündigungen auf Basis der Vereinbarung faktisch ausgeschlossen.
Widerstand gegen Unicredit
Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank stemmen sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen der Italiener. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme ab. Der Bund hält noch gut 12 Prozent an der Commerzbank, nachdem er das Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit milliardenschwerer Unterstützung stabilisiert hatte.
Zugleich weist der Vorstand das aktuelle Tauschangebot von Unicredit als unattraktiv zurück. Geboten werden 0,485 neue Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Nach Berechnungen der Italiener entspricht das auf Basis eines Dreimonatsdurchschnitts 34,35 Euro je Aktie und liegt damit unter dem jüngsten Kurs der Commerzbank-Aktie. Aus Sicht des Frankfurter Geldhauses bewertet das Angebot die Commerzbank klar unter ihrem Wert und bietet den Aktionären keine Übernahmeprämie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion