Wirtschaft

Chemie-Schock: Erwartungen brechen ein

Kurzes Chemie-Hoch dank Iran-Krieg – doch Experten warnen: Der Absturz der Branche könnte schneller zurückkehren als gedacht.

28.05.2026, 10:37 Uhr

Die Stimmung in der deutschen Chemiebranche hat sich weiter eingetrübt. Nach Angaben des Ifo-Instituts fielen die monatlich erfassten Geschäftserwartungen im Mai auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2022. Mit minus 42,0 Punkten lagen sie noch einmal deutlich unter dem Aprilwert und sanken um gut zehn Punkte. Die aktuelle Geschäftslage bewerteten die Unternehmen dagegen etwas günstiger: Mit minus 17,5 Punkten fiel dieser Wert rund acht Punkte besser aus als im Vormonat.

Auslöser dafür ist laut Ifo eine seit April laufende Sonderkonjunktur infolge des Iran-Kriegs. Einige Unternehmen profitierten von einer steigenden Nachfrage nach chemischen Produkten, weil internationale Lieferketten gestört wurden. Ifo-Expertin Anna Wolf betonte jedoch, dass die Firmen diesen Aufschwung im Tagesgeschäft nur als vorübergehenden Effekt ansehen.

Kurze Entlastung durch den Iran-Krieg

Die deutsche Chemieindustrie, die 2025 einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro erreichen soll, kämpft bereits seit Jahren mit erheblichen Problemen. Als drittgrößter Industriezweig Deutschlands nach der Auto- und Maschinenbaubranche leidet sie unter hohen Energiekosten, wachsender Konkurrenz aus Asien, schwacher Konjunktur und Überkapazitäten bei Basischemikalien.

Der Konflikt mit Iran hat der Branche kurzfristig etwas Luft verschafft. Vor allem Wettbewerber aus Asien, die mit niedrigen Preisen Druck auf den Markt ausüben, seien stärker betroffen, weil sie stärker von Rohstofflieferungen aus dem Nahen Osten abhängen als europäische Hersteller. Unternehmen wie BASF konnten deshalb ihre Preise spürbar anheben. Hinzu kam, dass viele Kunden aus Sorge vor möglichen Engpässen ihre Bestellungen vorzogen und zusätzliche Vorräte anlegten.

Trotz dieser vorübergehenden Belebung rechnen die Unternehmen laut Ifo weiterhin mit sinkender Produktion und einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. Auch die Aussichten für das Exportgeschäft hätten sich merklich verschlechtert. Wolf fasste die Lage so zusammen: Die temporäre Sonderkonjunktur verschaffe der Branche zwar kurzfristig etwas Spielraum, an den grundlegenden strukturellen Problemen ändere sie jedoch nichts.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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