Wirtschaft

Chaos bei O2? Gewerkschaft zerlegt Jobabbau-Pläne

Krisenalarm bei O2: Schlechte Zahlen, massiver Stellenabbau – jetzt wächst der Zorn der Gewerkschaft.

12.07.2026, 05:08 Uhr

Verdi kritisiert geplanten Stellenabbau bei O2 Telefónica

Die Gewerkschaft Verdi hat die angekündigten Einsparpläne bei O2 Telefónica deutlich beanstandet. Verdi-Vertreter Christoph Heil sagte in München, man habe den Eindruck, dass es sich vor allem um ein Sparprogramm handle, das vom spanischen Mutterkonzern vorgegeben werde. Aus Sicht der Gewerkschaft fehle bislang ein nachvollziehbares Konzept dafür, wie sich das Deutschlandgeschäft künftig positiv entwickeln solle.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen könnte O2 Telefónica in Deutschland mehr als 1.000 Stellen abbauen. Zuletzt beschäftigte die Firma hierzulande 6.820 Menschen, damit wäre ungefähr jeder sechste Arbeitsplatz betroffen. Das Unternehmen selbst äußerte sich zurückhaltend und erklärte lediglich, man untersuche verschiedene Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht zu sichern.

Heil, der auch im Aufsichtsrat von Telefónica Deutschland sitzt, bemängelte, dass es weiterhin kein klares Bild vom künftigen Zuschnitt des Unternehmens gebe. Ebenso sei unklar, welche Perspektiven die einzelnen Geschäftsbereiche hätten. Vieles solle grundlegend verändert werden, doch für die Beschäftigten sei nicht ersichtlich, was das konkret bedeute. Diese Ungewissheit sorge für erhebliche Verunsicherung in der Belegschaft. Besonders kritisch sieht Verdi das geplante Tempo: Der Großteil des Stellenabbaus soll demnach noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Verlust des Großkunden belastet das Unternehmen

O2 Telefónica leidet seit einiger Zeit unter dem Wegfall seines wichtigsten Kunden. Über Jahre hinweg nutzte der Konkurrent 1&1 das O2-Mobilfunknetz gegen Bezahlung mit. 2024 entschied sich 1&1 jedoch überraschend für einen Wechsel zu Vodafone. Bis Ende 2025 wurden rund 12 Millionen Mobilfunkkunden vom O2-Netz auf das Netz von Vodafone übertragen. Das drückte sowohl die Einnahmen als auch das operative Ergebnis von O2 Telefónica.

Gesättigter Markt erschwert Wachstum

Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt weitgehend als ausgeschöpft. Viele Verbraucher haben bereits passende Angebote, und größere Preiserhöhungen bei Tarifen lassen sich nur schwer durchsetzen. Für die Anbieter wird es dadurch immer schwieriger, sich klar von der Konkurrenz abzuheben. Hinzu kommt: Ein leistungsfähiges Netz wird von vielen Kunden inzwischen als Standard angesehen und nicht mehr als besonderes Verkaufsargument. Dabei haben Ausbau und Modernisierung der Netze Milliarden verschlungen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Investitionen wirtschaftlich wieder hereinzuholen.

O2 holt bei Netzabdeckung auf

Nach Daten der Bundesnetzagentur erreichte O2 Telefónica im Dezember mit seinem 4G-Netz 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands, beim 5G-Netz waren es 76,2 Prozent. Damit hat das Unternehmen den Rückstand auf die Telekom spürbar verkleinert. Die Telekom kam auf eine Flächenabdeckung von 92,5 Prozent bei 4G und 87,9 Prozent bei 5G. Vodafone lag bei 91,7 Prozent für 4G und 75,7 Prozent für 5G.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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