Wirtschaft

Bund blockt Unicredit-Deal für Commerzbank

Übernahmekrimi um Commerzbank eskaliert: Jetzt greift der Bund Unicredit scharf an – was hinter der harten Ansage steckt.

16.06.2026, 09:16 Uhr

Der Bund hat das laufende Übernahmeangebot der italienischen Großbank Unicredit für die Commerzbank zurückgewiesen. Nach Angaben der Finanzagentur des Bundes kam eine Zustimmung schon aus wirtschaftlicher Sicht nicht infrage, weil das Angebot keine angemessene Prämie auf den aktuellen Börsenkurs der Commerzbank-Aktie enthalte.

Zugleich bekräftigte der Staat seine Ablehnung einer Übernahme der Commerzbank durch Unicredit. Der Bund, der mit rund zwölf Prozent zweitgrößter Aktionär der Bank ist, stellt sich weiter hinter den Kurs der Eigenständigkeit. Zudem kritisierte er erneut das aus seiner Sicht aggressive Vorgehen der italienischen Bank. Zur Begründung verwies er auf die zentrale Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands. Auch als großer Arbeitgeber sei das Institut für den Finanzplatz Frankfurt von erheblicher Bedeutung.

Übernahmekampf wird zur Schlammschlacht

Unicredit hatte Anfang Mai ein freiwilliges Angebot vorgelegt, bei dem Commerzbank-Aktionären eigene Aktien zum Tausch angeboten werden. Nach jüngsten Angaben von Dienstag wurden der Bank 12,4 Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient. Da Unicredit bereits 26,77 Prozent an der Commerzbank hält, würde ihr Anteil damit rechnerisch auf mehr als 39 Prozent steigen.

Darüber hinaus hat sich Unicredit über Kaufoptionen mehr als drei Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert und hält weitere Finanzinstrumente. Die Frist für das Angebot läuft bis zu diesem Dienstag, soll aber bis zum 3. Juli verlängert werden.

Der Konflikt zwischen beiden Banken hat sich zuletzt deutlich verschärft. Unicredit stellte der Commerzbank in Aussicht, Aufsichtsrat und Vorstand auszutauschen, falls sie auf der Hauptversammlung genügend Unterstützung unter den Aktionären erhalten sollte.

Commerzbank-Aktie erstmals unter Unicredit-Offerte

Die Commerzbank wirft Unicredit vor, bei den Angaben zur Annahme des Angebots ein verzerrtes Bild zu zeichnen, und hat deshalb die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Nach Darstellung des Frankfurter Geldhauses stammen viele der angedienten Aktien vor allem von Banken, die über Finanzinstrumente mit Unicredit verbunden sind, und nicht von unabhängigen Investoren. Unicredit hat diese Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen.

Bislang galt das Angebot für viele freie Aktionäre als unattraktiv, weil es unter dem Börsenkurs der Commerzbank-Aktie lag und damit ein Verlustgeschäft bedeutet hätte. Am Dienstag drehte sich dieses Bild jedoch erstmals: Die Commerzbank-Aktie fiel auf der Handelsplattform Xetra auf 36,60 Euro und damit unter den rechnerischen Wert der Unicredit-Offerte.

Die italienische Bank bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Unicredit-Aktien. Wegen des starken Kursanstiegs der Unicredit-Papiere auf 77,80 Euro – den höchsten Stand seit Februar – entsprach das Angebot zuletzt einem Wert von gut 37,73 Euro. Damit würde sich die Annahme der Offerte für Commerzbank-Aktionäre erstmals seit Vorlage des offiziellen Angebots rechnerisch auszahlen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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