Wirtschaft

Wende? Fachkräftemangel bricht ein

Deutschlands Fachkräftemangel schrumpft plötzlich drastisch – doch der wahre Grund dahinter ist alles andere als beruhigend.

16.06.2026, 13:00 Uhr

Der Mangel an Fachkräften in Deutschland hat sich seit seinem Höchststand vor fast vier Jahren deutlich abgeschwächt. Nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW fühlten sich zu Beginn des zweiten Quartals 2026 noch 21 Prozent der Unternehmen durch fehlendes qualifiziertes Personal beeinträchtigt. Im dritten Quartal 2022 hatte dieser Wert laut KfW-Ifo-Fachkräftebarometer noch bei 49,7 Prozent gelegen.

Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist jedoch keine nachhaltige Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Vielmehr sorgt die anhaltende Konjunkturschwäche dafür, dass viele Firmen ihren Personalbedarf zurückfahren. Besonders in der Industrie belasten sinkende Nachfrage, hohe Energiekosten und wachsender internationaler Wettbewerbsdruck die Betriebe. Dort gaben zuletzt nur noch 14 Prozent der Unternehmen an, unter Fachkräftemangel zu leiden.

KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht darin deshalb nur eine vorübergehende Entlastung. Der Rückgang sei in erster Linie eine Folge der schwachen Wirtschaftslage. Sollte die Konjunktur wieder anziehen, dürfte sich der Fachkräftemangel seiner Einschätzung nach erneut verschärfen.

Bau und Dienstleistungen weiter unter Druck

In Bereichen, in denen die Nachfrage trotz der wirtschaftlichen Flaute stabil bleibt oder sogar zunimmt, ist von einer Entspannung kaum etwas zu spüren. Im Bauhauptgewerbe meldete knapp ein Drittel der Unternehmen weiterhin Engpässe beim Personal. Dort stützen vor allem staatliche Investitionen in die Infrastruktur die Nachfrage.

Auch im Dienstleistungsbereich bleibt die Lage angespannt. Hier berichteten 25 Prozent der Unternehmen von Problemen bei der Besetzung offener Stellen. Besonders betroffen sind unter anderem Rechts- und Steuerberatung, Verkehr und Logistik, Gastronomie sowie Architektur- und Ingenieurbüros.

Überdurchschnittlich stark leiden weiterhin kleine und mittlere Unternehmen unter dem Fachkräftemangel. Im April 2026 meldeten 22 Prozent der Mittelständler entsprechende Einschränkungen, während der Anteil bei Großunternehmen bei 19,3 Prozent lag. Im verarbeitenden Gewerbe fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Dort waren 18,3 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe betroffen, aber nur acht Prozent der großen Unternehmen. Nach Einschätzung der KfW haben Mittelständler im Wettbewerb um Arbeitskräfte oft schlechtere Karten, weil sie meist weniger attraktive Bedingungen anbieten können.

KfW fordert langfristige Gegenmaßnahmen

Schumacher warnte davor, die Anstrengungen gegen den Fachkräftemangel jetzt zurückzufahren. Notwendig seien vor allem mehr Ausbildung in Berufen mit Engpässen, stärkere Förderung des lebenslangen Lernens, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen sowie eine gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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