Wirtschaft

Baywa-Sanierung stockt weiter – jetzt sogar bis 2030

Baywa kämpft ums Überleben: Warum die Krise des Agrarriesen jetzt sogar die Lebensmittelversorgung treffen könnte

30.06.2026, 21:37 Uhr

Baywa streckt Sanierung bis 2030 – Großaktionäre und Banken machen neue Zugeständnisse

Der hoch verschuldete Agrarhandels- und Mischkonzern Baywa braucht für seinen Umbau deutlich mehr Zeit. Statt einer erhofften Stabilisierung bis Ende 2028 gehen Vorstand und Aufsichtsrat nun davon aus, dass die Sanierung des Münchner Traditionsunternehmens erst Ende 2030 abgeschlossen werden kann.

Damit soll sich auch die Laufzeit der Bankkredite um zwei Jahre verlängern. Für Baywa würde das eine Entlastung bei den hohen Zinszahlungen bedeuten. Nach Unternehmensangaben hat sich der Vorstand darüber mit den Gläubigerbanken sowie den beiden größten Anteilseignern grundsätzlich verständigt. Eine neue Sanierungsvereinbarung soll bis zum Herbst ausgearbeitet werden.

Baywa wurde 1923 gegründet und ging aus der Genossenschaftsbewegung hervor. Vor allem in Süd- und Ostdeutschland ist das Unternehmen für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung von großer Bedeutung. Es kauft Ernten von Landwirten an und versorgt die Betriebe zugleich mit Saatgut, Dünger und Landmaschinen.

Die Krise ist das Ergebnis einer kreditfinanzierten Expansion auf internationalen Agrarmärkten, die letztlich scheiterte. Inzwischen hat das auch strafrechtliche Folgen: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere frühere Vorstände, unter anderem wegen des Verdachts auf eine geschönte Konzernbilanz 2023 sowie wegen möglicher Untreue.

Banken und Großaktionäre sollen Beiträge leisten

Sowohl die finanzierenden Banken als auch die beiden Großaktionäre stellen sich auf einschneidende Maßnahmen ein. Dabei handelt es sich um die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken sowie der österreichischen Genossenschaften.

Geplant ist, dass die beiden Großaktionäre ihren gemeinsamen Anteil von gut 67 Prozent an einen Treuhänder übertragen. Zurückerhalten sollen sie das Paket nur dann, wenn sie im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung bereitstellen. Andernfalls könnte der Treuhänder die Aktien verkaufen.

Die Banken wollen zudem Kredite im Umfang von 700 Millionen Euro in ein Nachranginstrument umwandeln. Sollte auch der neue Sanierungsfahrplan scheitern, würden andere Gläubiger mit ihren Forderungen vor den Ansprüchen der Banken auf diese 700 Millionen Euro bedient.

Probleme bei Baywa r.e. belasten den Plan zusätzlich

Auslöser für die Verlängerung ist laut Unternehmen kein akuter neuer Liquiditätsengpass. Vielmehr reagiert Baywa damit auf die schwierige Lage der Ökostromtochter Baywa r.e. Diese sollte ursprünglich für 1,7 Milliarden Euro verkauft werden. Nachdem sich jedoch auch die Tochter in einer tiefen Krise befindet, rechnet Baywa inzwischen damit, dass der Erlös rund 800 Millionen Euro niedriger ausfällt.

Der bisherige Sanierungsplan der Baywa AG sah vor, die Schulden bis Ende 2028 um vier Milliarden Euro zu senken. Wegen der Probleme bei Baywa r.e. ist dieses Ziel nun nicht mehr haltbar.

Rückbau der früheren Expansionsstrategie

Über viele Jahrzehnte war Baywa vor allem auf den deutschen Agrarhandel konzentriert. Unter dem langjährigen Vorstandschef Klaus Josef Lutz, der das Unternehmen von 2008 bis 2023 führte, weitete der Konzern sein Geschäft stark aus. Dazu gehörten der Aufbau des Ökostromgeschäfts mit Baywa r.e. sowie Zukäufe wie die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra und der neuseeländische Obstkonzern Turners & Growers.

Die laufende Sanierung läuft nun im Kern darauf hinaus, diese Expansionsstrategie zurückzubauen und Baywa wieder stärker auf das heimische Agrargeschäft auszurichten. Lutz hat Vorwürfe, für die heutige Krise verantwortlich zu sein, mehrfach zurückgewiesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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