Erling Haaland strahlte mit Wikinger-Helm, Kapitän Martin Ödegaard drosch vor dem Fanblock auf eine Pauke und stimmte den längst kultigen Ruder-Schlachtgesang an: Norwegen hat seinen historischen WM-Erfolg ausgelassen gefeiert. Beim 2:1 (1:0) gegen die Elfenbeinküste in der ersten K.-o.-Runde trafen Antonio Nusa mit einem Traumtor und Haaland mit dem späten Siegtreffer.
„Das ist Geschichte, das ist unglaublich“, sagte Haaland nach dem Abpfiff in einem auf dem Rasen aufgenommenen Video, das von Fox Sports geteilt wurde.
RB-Leipzig-Offensivspieler Nusa brachte die Skandinavier in Dallas in der 39. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer in den Winkel in Führung. Nachdem Amad Diallo in der 74. Minute ausgeglichen hatte, entschied Haaland die Partie kurz vor Schluss: Der Starstürmer schob den Ball in der 86. Minute aus kurzer Distanz zum umjubelten 2:1 über die Linie. Es war sein fünfter Treffer im Turnier – und zugleich sein wohl einfachster.
Als Belohnung wartet nun Rekordweltmeister Brasilien. Gegen die Seleção geht es am Sonntag um 22 Uhr um den Einzug ins Viertelfinale. Brasilien hatte sich zuvor mit 2:1 gegen Japan durchgesetzt. Für die Elfenbeinküste, Deutschlands Gruppengegner bei diesem Turnier, endete das erste WM-K.-o.-Spiel der Landesgeschichte dagegen sofort mit dem Aus.
„Ich muss sagen, dass es mir im Moment etwas schwerfällt, das in Worte zu fassen. Ich kann nur sagen, dass es ein Traum wahr geworden ist“, sagte Nusa, der nach dem Schlusspfiff Tränen vergoss. „Ich bin sehr dankbar, hier zu sein, mit euch zu sprechen und dazu beigetragen zu haben, dass Norwegen Geschichte schreibt.“
Haaland anfangs auffällig, dann lange abgemeldet
Haaland, der beim 1:4 gegen Frankreich im letzten Gruppenspiel geschont worden war, suchte früh den Abschluss. Schon in der 3. Minute kam er per Kopf zu einer guten Chance. Danach tauchte der Angreifer in der ersten Halbzeit jedoch über weite Strecken ab, weil Norwegens Ballbesitzspiel zunächst zu ideenlos blieb.
Im ersten Duell dieser beiden Fußball-Nationen gingen beide Teams insgesamt vorsichtig zu Werke und scheuten lange das Risiko. Die etwas gefährlicheren Aktionen gehörten zunächst dem dreimaligen Afrika-Meister: Ghislain Konan traf in der 21. Minute nur das Außennetz, wenig später vergab auch Nicolas Pépé eine gute Möglichkeit.
Nusas Traumtor als Wendepunkt und Weckruf
Mit dem ersten wirklich sauber ausgespielten Angriff schlug Norwegen dann zu. Ödegaard leitete die Aktion ein, der Ball lief über mehrere Stationen zu Nusa, der seinen Gegenspieler geschickt aussteigen ließ und präzise ins Eck abschloss.
Der Führungstreffer wirkte zugleich wie ein Weckruf für Haaland. Kurz vor der Pause wurde ein missglückter Abschluss des Manchester-City-Stürmers aus kurzer Distanz noch geblockt (42.). Bei der anschließenden Ecke verpasste er nach einer Kopfballverlängerung von Alexander Sörloth am langen Pfosten nur knapp das 2:0.
Diomande weiter im Fokus der Wechselgerüchte
Bei der Elfenbeinküste ruhten viele Hoffnungen auf Yan Diomande. Der Offensivspieler von RB Leipzig wurde häufig gesucht, konnte seine Qualitäten zunächst aber nur selten einbringen. Rund um das 19 Jahre alte Sturmtalent reißen die Spekulationen über einen Wechsel derweil nicht ab.
Diomande hatte selbst erklärt, von einem Abschied auszugehen. Berichten zufolge gibt es bereits eine Einigung mit Paris Saint-Germain über einen Fünfjahresvertrag, auch wenn Leipzig einen Transfer derzeit noch blockiert.
Elfenbeinküste drückt – Haaland vollendet
Nach dem Seitenwechsel erhöhte die Elfenbeinküste den Druck deutlich. In der 55. Minute scheiterte Pépé mit einem Schuss an Norwegens Torhüter Örjan Nyland. Norwegen, nach der großen Rotation gegen Frankreich wieder in Bestbesetzung, zog sich immer weiter zurück und konzentrierte sich fast nur noch auf die Defensivarbeit. Selbst Haaland half phasenweise im eigenen Strafraum mit.
Gefährlich wurde Norwegen fast nur noch nach Standards. So rettete Diallo in der 67. Minute bei einer Großchance von Heggem aufmerksam auf der Linie. Wenig später glänzte derselbe Diallo auf der anderen Seite mit einer starken Einzelaktion und erzielte den 1:1-Ausgleich.
In der Schlussphase hatte Norwegen jedoch das letzte Wort: Haaland stand in der 86. Minute goldrichtig und drückte den Ball zum umjubelten Sieg über die Linie. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber