Zverev kämpft sich in Wimbledon weiter – Hanfmann erstmals in Runde zwei
Alexander Zverev hat beim Rasenklassiker in Wimbledon die zweite Runde erreicht. Der French-Open-Champion ließ sich zum Auftakt auch von einem Satzverlust nicht stoppen und setzte sich nach harter Arbeit mit 6:4, 6:7 (8:10), 7:6 (7:5), 7:6 (7:0) gegen den Belgier Alexander Blockx durch. Nach 2:55 Stunden verwandelte der Hamburger im dritten Tiebreak seinen Matchball souverän und ballte anschließend erleichtert die Faust.
In der nächsten Runde trifft der 29-Jährige am Donnerstag auf den Franzosen Valentin Royer. Gut drei Wochen nach seinem emotionalen Triumph in Paris darf sich Deutschlands bester Tennisspieler auch in London einiges ausrechnen. Zverev ist in Wimbledon an Nummer zwei gesetzt.
Noch nicht in Bestform
Zverev möchte den Schwung seines ersten Grand-Slam-Titels auf den Rasen mitnehmen, blieb bei seinem Start im All England Club aber noch ein Stück von seiner Topform entfernt. Nach einem souveränen Beginn machte ihm der Weltranglisten-36. Blockx zunehmend Probleme und zwang ihn in ein fast dreistündiges Kräftemessen.
„Roland Garros im Kopf zu haben, hilft“, sagte Zverev im Siegerinterview. Es sei die größte Ehre, auf diesem Court zu spielen. Zugleich räumte er ein: „Ich habe hier zu kämpfen, das ist kein Geheimnis.“ Sein Ziel sei es, in diesem Jahr sein bestes Ergebnis in Wimbledon zu erreichen.
Bei Prime sagte er nach der Partie: „Es war halt ein Match, wie es ist. Ich bin glücklich, dass ich es gewonnen habe.“ Es sei schwer gewesen, die Konzentration zu halten, weil viele Ballwechsel kurz geblieben seien: „Aufschlag, Return und fertig.“
Wimbledon bleibt damit vorerst das Grand-Slam-Turnier, bei dem Zverev historisch am wenigsten vorzuweisen hat. Weiter als bis ins Achtelfinale kam er in London bislang nie, ein Viertelfinale erreichte er noch nicht. Im vergangenen, von sportlichen und gesundheitlichen Rückschlägen geprägten Jahr war das Erstrunden-Aus in Wimbledon mit der anschließenden Erklärung, mentale Probleme zu haben, ein Tiefpunkt gewesen. Zwölf Monate später tritt Zverev nun erstmals als Grand-Slam-Sieger bei einem der vier wichtigsten Turniere an.
Allzu viel verändert habe dieser Status für ihn vor einem neuen Match aber nicht, sagte Zverev in der Pressekonferenz. Sobald ein neues Tennismatch beginne, spiele das keine große Rolle mehr. Er habe jedoch das Gefühl, in diesem Jahr insgesamt besser Tennis zu spielen als im Vorjahr und wolle die zuletzt positiven Monate beibehalten.
Rasenallergie für Zverev „nichts Wildes“
Am Wochenende hatte Zverev erkältet gewirkt und sein Niesen bei einer Pressekonferenz mit einer Rasenallergie erklärt. Nach dem Sieg sagte er dazu nur: „Es ist wie es ist.“ Er nehme viele Pillen. Bei Prime ergänzte er: „Das ist für mich völlig okay. Das ist für mich nichts Wildes, ich werde es überleben.“
Schrecksekunde im dritten Satz
Im Match selbst startete Zverev konzentriert und nutzte die erste Schwächephase seines Gegners konsequent aus. Ohne Punktverlust nahm er Blockx das Aufschlagspiel zum 5:4 ab. Nach nur einer halben Stunde war der erste Satz entschieden.
Gegen Blockx, der sich in Paris am Fuß verletzt hatte, blieb es danach deutlich enger. Im zweiten Durchgang hielten beide Spieler ihre Aufschlagspiele, sodass wieder Kleinigkeiten den Unterschied machten. Im Tiebreak leistete sich Zverev ausgerechnet beim Satzball von Blockx seinen ersten Doppelfehler des Spiels und gab den Durchgang ab.
Auch danach blieb es eng. Zu Beginn des dritten Satzes überstand Zverev eine heikle Phase bei eigenem Aufschlag und verhinderte einen frühen Rückstand. Kurz darauf rutschte er auf dem Rasen aus, blieb aber unverletzt.
Im anschließenden Tiebreak half Blockx mit zwei Doppelfehlern mit, nachdem er zuvor ein Geschenk durch einen Zverev-Doppelfehler nicht hatte nutzen können. Wenige Ballwechsel später zog Zverev den Satz noch auf seine Seite. Auf großen Jubel verzichtete er danach und diskutierte stattdessen beim Gang in die Pause mit seiner Box.
Im vierten Satz lag Zverev bereits mit Break vorne, gab den Vorsprung aber direkt wieder her. Im abschließenden Tiebreak dominierte der Favorit dann klar und machte den Sieg sicher perfekt.
Weitere deutsche Ergebnisse
Yannick Hanfmann erreichte derweil erstmals die zweite Runde in Wimbledon. Der Karlsruher gewann gegen den französischen Aufschlagspezialisten Giovanni Mpetshi Perricard mit 6:7 (6:8), 7:6 (11:9), 6:2, 6:3.
Laura Siegemund schied dagegen ein Jahr nach ihrem Viertelfinaleinzug mit einer Zweisatz-Niederlage gegen die favorisierte Belgierin Elise Mertens aus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber